Praxis Dr. Inselfisch

Psychologie, Philosophie und Programmierung

6. September 2019
von admin
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Ist Geiz wieder mal geil? Gedanken zum „neuen“ Minimalismus

In den vielen Essays und Artikeln, die täglich über das Display meines Notebooks geistern, finden sich zur Zeit gehäuft welche zum Thema Personal Finance. In unseren Zeiten des unbegrenzten Konsums ist es nunmal sehr leicht, mehr Geld auszugeben als man hat. Die aktuelle Patentlösung für chronische Geldnot bis hin zur Verschuldung heißt wieder einmal Minimalismus, oder auch Einfaches Leben, und befasst sich damit, bei jedem Cent den man ausgibt auch zu bewerten, ob das jetzt wirklich sein muss, oder ob man den Cent doch lieber für etwas anderes verwendet.

Denn, da sind sich die Experten einig, Minimalismus sei keine Sache des Verzichts, sondern eine Sache der Wahlfreiheit. Wer sich für ein einfaches Leben entscheidet, so heißt es, kann Ballast abwerfen und insgesamt glücklicher sein als vorher. Das setzt aber voraus, dass man mit dem Rotstift über alle Ausgaben geht und erst einmal identifiziert, wohin das schöne Geld jeden Monat entschwindet. Voraussetzung für eine minimalistische Finanzlösung ist, dass man seine Ausgaben sehr genau kontrolliert. Viele Experten raten dazu, wirklich jeden ausgegebenen Cent schriftlich mitzuprotokollieren, täglich und akribisch. Das finde ich für eine gewisse Übergangszeit OK, bis man besser im Blick hat wo denn nun wirklich die Lecks im Budget sind. Man kanns aber auch übertreiben, die ständige Kontrolle kann auch zum Selbstzweck werden, da wird Geiz dann wirklich geil und ein erstrebenswertes Ziel per se. Das kann dann leicht in die Obsession abkippen, und da wirds dann echt unschön.

Was ich auch nicht schön finde, ist wenn sich jemand anmasst, „glücklichen Minimalismus“ als Patentlösung gegen Armut anzupreisen. Hartz IV und Altersarmut wegen zu niedriger  Renten lassen sich nicht damit kurieren, dass man die Betroffenen zur akribischen Führung eines Haushaltsbuches zwingt. Wenns hinten und vorn nicht reicht, kann man das zwar somit nachweisen, aber geholfen ist einem damit nicht. Aber ich schweife ab – hier wirds mir zu politisch.

Wie dem auch sei, die strenge Kontrolle der monatlichen Haushaltsausgaben unter der Flagge „Minimalismus“ wird als das neue Allheilmittel gegen persönliche finanzielle Schwierigkeiten angepriesen, und es gibt eine ganze Legion von Ratgebern, die dies als Neu und sogar als Chic und In verkaufen.

Ja sagt mal: gehts noch? Wer hat denn das jetzt alles neu erfunden? Erinnert sich noch jemand an den schönen alten Begriff „Haushaltsgeld“? Das gabs zu meiner Zeit (ha, ich werde alt!) in jeder Familie, das war ganz einfach der Geldbetrag, der der Hausfrau im Monat für die täglichen Ausgaben zur Verfügung stand. Das war oft mal auch ein Streitpunkt, zugegeben, aber im Großen und Ganzen stand fest, wieviel für Lebensmittel und Haushaltskram und Dinge des täglichen Bedarfs ausgegeben werden konnte. Damit da nichts aus dem Ruder lief, sammelte man die Kassenzettel der täglichen Einkäufe und führte damit ein Haushaltsbuch, so konnte man sehr schnell identifizieren, wenn sich irgendwo Ausgaben erhöht hatten. Dann wurde neu verhandelt, und entweder das Haushaltsgeld aufgestockt, oder die Mehrausgaben woanders eingespart. Eine gute Hausfrau hatte ihre Ausgaben stets im Blick, das gehörte zu den Grundlagen ihres Berufs und wurde von der Mutter an die Tochter so weitergegeben, über die Generationen.

Das war jetzt aber nur die halbe Miete, bildlich gesprochen. Wieviel Haushaltsgeld letztendlich zur Verfügung stand, hing natürlich vom gesamten Einkommen der Familie ab, und von den davon zu bestreitenden monatlichen Fixkosten. Miete, KFZ, Versicherungen, Strom, Gas, Wasser, Telefon… Urlaub, grössere Anschaffungen wie Möbel, TV oder Elektrogeräte für den Haushalt, Kosten für Schule und Ausbildung der Kinder, das alles rechnete man  zusammen, und Haushaltsgeld konnte höchstens das sein, was übrigblieb. Meistens noch nicht einmal das, es gingen noch Beträge für Sparkonten, Bausparer und Abzahlungen für Wohneigentum und das Familienauto davon ab. Tscha, und erst der dann noch übrigbleibende Rest stand für den Haushalt zur Verfügung.

Voraussetzung für das Funktionieren des Systems war natürlich, dass man a) wusste wie es um die Einnahmen und Ausgaben der Familie stand und b) Hausherr und Hausfrau darüber offen und ehrlich miteinander redeten und ihr Budget partnerschaftlich verplanten. Ganz schön viel verlangt, nicht wahr? Aber so war die Abmachung, wenn man das Unternehmen Familie erfolgreich führen wollte.

Und so kann es auch heute noch funktionieren. Für Singles übrigens auch, die müssen dann nur vor sich selbst ehrlich sein und mit offenen Karten spielen. Wenn ich mir gerade einen neuen Laptop zugelegt habe, ist wahrscheinlich dass mein Budget im selben Monat einen Kurztrip nach Paris eigentlich nicht mehr erlaubt. Fahr ich halt übers Wochenende zu meinem besten Freund, der hat das Altmühltal vor der Haustür, da ist es auch schön. So funktioniert das mit der Wahlfreiheit… mal auch kleinere Brötchen backen, aber nicht immer nur knausern.

Vernünftig wirtschaften kann man nur, wenn auch ein Budget zum planen da ist, bei chronischer Ebbe in der Kasse sind wahrscheinlich einschneidendere Massnahmen gefragt. Eine zu teure Wohnung, das schicke Auto das man sich eigentlich nicht leisten kann, die Flugreise nach Thailand, die das Budget für den ganzen Winter kippt – da muss man hart gegen sich selbst sein und Gegenmaßnahmen ergreifen.

Vor allem von amerikanischen Autoren hört man oft den Rat, bei Geldmangel einen zweiten Job anzunehmen und z.B. nach Feierabend als Taxifahrer, Bedienung oder Barman zu jobben, aber das finde ich dann doch ein bisschen krass. Man braucht auch unter der Woche Freizeit und Erholung und kann sich ganz schnell kaputtarbeiten (Stichwort Burnout), wenn man da übertreibt. Mal ganz davon abgesehen, dass die Lebensqualität ganz schnell zum Teufel geht, wenn man nur noch am roboten ist. Da geht man doch lieber den unnötig fetten Ausgabeposten an den Kragen!

Ich bin selber vor ein paar Jahren aus einer 85 qm Altbauwohnung im schicken Haidhausen in eine halb so grosse, aber zauberhafte kleine sonnige Bude im hohen Norden von München umgezogen, weil fast mein ganzes Budget für die Miete drauf gegangen ist. Das war eine harte Entscheidung, aber es musste was passieren, die Wohnung wurde immer teurer und mein monatliches Budget immer schmaler, das machte gar keinen Spaß mehr. Heute bin ich froh, dass ich den Absprung damals geschafft habe. Die kleinere Wohnung hat schön Blick ins Grüne, reicht für mich als Single völlig aus und ist wesentlich leichter sauberzuhalten. Ich zahle nur ein Drittel an Miete im Vergleich zum Haidhausener Palast. Das ist sehr befreiend, ich kann ganz anders wirtschaften und mir Dinge leisten, die in Haidhausen einfach nicht drin waren, weil die überteuerte Miete mein ganzes Haushaltsgeld aufgefressen hat.

Geben sie sich einen Ruck! Gerade bei Prestigeobjekten wie einer teuren Wohnung, einem schnieken Auto und einer exklusiven Fernreise ist oft enormes Einsparungspotential drin, auch wenn man erst mal über seinen Schatten springen muss. Langfristig tut man sich aber einen grossen Gefallen, wenn man die dicken Budgetfresser eliminiert. Denn eins kann auch der modernste Minimalismus nicht ändern: das Thema Geld wird immer wichtiger, je weniger man hat. Und das Leben ist eigentlich zu schade dafür, sich ständig mit Geldsorgen abzuplagen!

5. September 2019
von admin
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Fast Food fürs Gehirn: die Ratgeber-Branche boomt wie nie

Geben sie mal bei Google „psychologie ratgeber online“ ein und lassen sie sich überraschen, wie viele Ratgeberportale da ganz oben schon erscheinen. Kostenlose Hilfe bei psychischen Problemen direkt zum Anklicken wird einem da zuhauf geboten, für jedes psychologische Wehwehchen gibt es auch einen hilfreichen Artikel. Oder schauen sie mal in einem x-beliebigen Buchladen in die Ecke mit den Lebenshilfe-Büchern: wow, da wird man schier erschlagen von der fantastischen Auswahl!

Psychologische Ratgeber sind in, und ganz besonders boomt die Branche im Internet, es wird gebloggt und ge-newslettered bis zum Abwinken, und fast jeder liest täglich mehrere Artikel zu  den unterschiedlichsten Themen aus dem Bereich Lebenshilfe und Persönlichkeitsentwicklung.

Eigentlich müssten wir alle bei diesem massenhaften Konsum kluger Worte schon kleine Genies sein, und erfolgreich, glücklich und zufrieden obendrein. Aber halt – das Stichwort kommt mir jetzt gerade recht: Konsum. Es bringt einen halt nicht so besonders viel weiter, wenn man all die klugen Worte nur konsumiert, also durchliest.

Da hab ich in einem Artikel kürzlich einen netten Vergleich gefunden: es ist, als ob man sich gesünder Ernähren möchte, und loszieht und einen Einkaufskorb voll vollwertiger und frischer Lebensmittel nachhause trägt. Ja, und dann? Es reicht halt nicht, wenn man die Lebensmittel nur einkauft und  heimträgt. Man müsste sie auch sachgerecht zubereiten und dann auch noch essen, sonst hilft es nichts. Und man müsste das auch jeden Tag machen.

Ähnlich ist es, wenn man aus einem psychologischen Ratgeber etwas lernen möchte. Nur einmal durchlesen bringt einem nichts, da muss man schon noch ein bisschen Arbeit investieren. Wenn man Glück hat, gibt der/die AutorIn einem einen Lehrplan an die Hand, so etwas wie eine Liste grundsätzlicher Lerninhalte, und eine Anleitung wie man diese verinnerlicht und für die eigenen Zwecke umsetzt. Wenn man weniger Glück hat, muss man sich das selber erarbeiten. Und da bleibt einem kaum etwas anderes übrig als die klassischen Helferlein, wenn man von bedrucktem Papier schlauer werden möchte. Post-It Zettel für Einmerker, Leuchtmarker zum Anstreichen, Bleistift zum Randnotizen machen. Ein Schreibblock oder ein Word-Dokument für Zusammenfassungen und Exzerpte. Damit bereitet man sich aus den Ratgeberzutaten erst einmal eine Sammlung schmackhafter, relativ leicht verdaulicher Häppchen. Die führt man sich dann nacheinander zu Gemüte, und kaut auf jedem einzelnen Happen herum und lässt ihn sich auf der Zunge zergehen, bis man ihn verinnerlicht hat.

Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um ein Resumee des Gelernten zu ziehen, und dabei festzustellen was davon man für sich selber umsetzen kann und möchte. Um bei der Lebensmittel-Analogie zu bleiben: jetzt stellen wir uns ein individuelles Menü aus den Zutaten zusammen, die uns der/die AutorIn an die Hand gegeben hat. Dann gehts ans Umsetzen, das Menü will jetzt auch noch zubereitet und verspeist werden, das ist dann letztendlich die Verarbeitung des Gelernten.

Hats geschmeckt? Habe ich gelernt, etwas neu und anders zu machen als gewohnt, und wenn ja, was hat das für Auswirkungen auf mein Leben? Was hat mir der/die AutorIn versprochen, und was davon ist wahr geworden? Bekommt mir diese spezielle Art der gesünderen geistigen Ernährung, oder brauche ich doch eine andere Diät?

Das klingt nach Arbeit, und das ist es auch. Nur vom reinen Konsum schlauer Artikel und Bücher allein ist noch nie jemand glücklicher und erfolgreicher geworden. Viele suchen auch Hilfe, weil sie merken dass sie allein mit der Lektüre nicht weiterkommen – hier setzt dann die Psychotherapie an, die ja im klassischen Fall nichts anderes tut als Hilfe zur Selbsthilfe zu geben. Aber das ist eigentlich schon ein anderes Thema und sprengt hier den Rahmen.

Es sei mal dahingestellt, dass man all die vielen schlauen Artikel auch zur Unterhaltung und aus Interesse am Thema lesen kann, ohne da jetzt tiefer in die Verarbeitung einzusteigen. Man kann auch den Korb vollwertiger gesunder Lebensmittel in der Küche stehen lassen und sich wie gewohnt eine Tiefkühlpizza in den Ofen schieben. Das bringt halt dann nicht so besonders viel, man wird so weder schlauer noch gesünder. Letztendlich muss jeder selber entscheiden, wie er das handhabt.

Ich machs von Fall zu Fall, viele Artikel lese ich genau einmal, finde sie amüsant oder auch erhellend, und vergesse sie genauso schnell wieder wie ich sie konsumiert habe. Nur selten sind welche dabei, bei denen ich meine Verarbeitungs- und Lernmethodik anwerfe, aber da bleibt dann auch was hängen. Die bespreche ich dann auch gern mit jemand anders, ich habe gottseidank einige AnsprechpartnerInnen, die sich ebenfalls für Persönlichkeitsentwicklung und Lebenshilfe interessieren. Und das ist immer ein sicherer Gradmesser, ob man eine Sache auch wirklich verstanden hat: wenn man sie jemand anderem erklären kann. Dann hat man sie auch verinnerlicht und sich zu eigen gemacht, dann sitzt das und es bringt auch was, man hat etwas gelernt. Wie das mein Lieblingsphilosoph Richard P. Feynman so treffend formulierte: „Wenn du es einem aufgeweckten Achtjährigen erklären kannst, dann hast du es verstanden.“

Das, so finde ich, ist ein schönes Schlußwort.

23. August 2019
von admin
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Da freut sich das Buchhalterkind

Ich bin in einem Buchführungsbüro aufgewachsen und habe schon in frühester Jugend gelernt, Papiere mit System zu ordnen und alles so zu beschriften, dass man seinen Papierkram im Fall des Falles auch wiederfindet. Das ist nämlich gar nicht so trivial, gelocht und abgeheftet ist schnell was, bloß in welchem Ordner findet man es wieder, wenn man es braucht?

Da sammelt sich im Laufe eines ganz normalen Erwachsenenlebens doch ein grosser Haufen Dokumente an, die man notgedrungen aufheben muss, weil man sie immer wieder mal braucht. Ich habe bei meinem letzten Umzug vor ein paar Jahren meine Ablage mal gründlich durchsortiert und eingedampft und gnadenlos alles weggeschmissen, was ich nicht mehr aufheben musste. Übrig geblieben sind ungefähr 10 Ordner, in denen hat alles seinen Platz. Nur der offizielle Kram wohlgemerkt, für meine private Ablage (Kochrezepte, Strickmuster, Möbelbau usw.) habe ich nochmal 20 Ordner im Einsatz.

Aber bleiben wir mal beim offiziellen Kram. Da gibt es zwei Sorten von Ablagen. Einmal die Archive, in denen hebt man wichtige Dokumente auf, die man über viele Jahre hinweg wiederfinden muss. Zeugnisse, Miet- und Arbeitsverträge, Versicherungspolicen, Garantiebelege, KFZ-Briefe und so weiter und so fort. Zu den Archiven kommen relativ selten neue Papiere hinzu, die dienen hauptsächlich der Wiederauffindbarkeit wichtiger Dokumente.

Und dann gibts noch die Journal-Ordner, in denen legt man alles ab, was irgendwie pro Jahr zusammengehört. Lohn-und Gehaltsabrechnungen, Kontoauszüge, Rechnungen, Unterlagen fürs und vom Finanzamt und sowas, die sammelt man pro Jahr und beschriftet die Journale auch dementsprechend. Wenn man die unterschiedlichen Einsatzgebiete von Archiv und Journal einmal verinnerlicht hat, das ist schon die halbe Miete.

Journalordner werden am Jahresende abgeschlossen, und ein neuer Ordner fürs neue Jahr angelegt. Wenn man nicht viele Papiere pro Jahr abzulegen hat (so wie ich als Rentnerin), kann man selbstverständlich mehrere Jahre Journal in einem Ordner ablegen, dann beschriftet man halt das Register entsprechend. Aber für einen normal berufstätigen Menschen, der auch noch jedes Jahr eine Steuererklärung abgeben muss, ist ein Ordner pro Jahr eine sinnvolle Einteilung.

Damit ich mit 10 Ordnern auskomme, habe ich immer mehrere verwandte Themen in einem Ordner untergebracht und die Ordner auf dem Rückenschild entsprechend beschriftet. Ca. 5 Themen pro Ordner sind genug, bei mehr wirds leicht unübersichtlich. Es gibt zum Beispiel einen Ordner „Haushalt“ mit den Registern „Rechnungen&Garantien Haushaltsgeräte“, „Stadtwerke“, „GEZ“, „Telefon&Internet“, „Handy“.  Das reicht, mehr kommt da nicht rein, sonst blickt man nicht mehr durch. Zur Wohnung gehört noch ein zweiter Ordner: „Miete“. Da ist nicht nur der Mietvertrag drin, sondern auch sämtliche Korrespondenz mit der Hausverwaltung, die Heiz- und Betriebskostenabrechnungen, Handwerkerrechnungen und überhaupt alles sonst, was die Wohnung betrifft. Sehen sie das Prinzip? Rückenschild mit dem Titel des Ordners beschriften, auf dem Rückenschild die Registerüberschriften notieren, im Ordner ein beschriftetes Register verwenden.

Falls sie einmal etwas abzulegen haben, was in keines der vorhandenen Register passt, legen sie nicht nur ein neues Registerblatt an und beschriften es entsprechend, sie vergessen auch nicht das neue Register auf dem Rückenschild des entsprechenden Ordners zu vermerken. Wenn man das nicht macht, kommt man ganz schnell in Teufels Küche, da landen dann Papiere unwiederfindbar in irgendwelchen Ordnern, und wenn man sie wieder braucht, kann man die ganze Ablage durchforsten. Das ist eine ganz böse Falle, damit kann man sich das ganze System ruinieren!

Ebenso streichen sie auf dem Rückenschild des Ordners das betreffende Register aus, wenn sie es nicht mehr brauchen und die zugehörigen Papiere ins Altpapier kommen. Sowas kommt immer wieder mal vor, ich habe zum Beispiel kürzlich die Unterlagen zu meinem ersten D2-Handy entsorgt. Auch die Kontoauszüge von vor über 10 Jahren muss ich eigentlich nicht mehr aufheben, das wären auch so Kandidaten zum Entsorgen und Ausstreichen.

Wenn man sich an diese paar Grundregeln hält, steht einer Ablage, mit der man vernünftig arbeiten kann und in der man auch alle Papiere wiederfindet, eigentlich nichts mehr im Wege. Wie oft man seinen Posteingang dann wirklich bearbeitet und in die Ablage einsortiert hängt davon ab, wie hoch das Papieraufkommen im Haushalt ist, einmal im Monat reicht wahrscheinlich dicke, ich komme mit einmal im Vierteljahr gut hin.

Dafür sollte man sich allerdings angewöhnen, einzusortierende Papiere auch wirklich nur an einer Stelle im Haushalt zu lagern. Bei mir wird die Post sofort aufgemacht, wenn ich sie aus dem Briefkasten geholt habe. Ich habe dafür zwei Körbchen im Regal stehen, eins ist das To Do für unerledigte Vorgänge, das zweite ist für die Ablage für erledigte Dinge oder Sachen, die man bloß aufheben muss. Woanders kommen bei mir keine Papiere hin, nicht auf den Schreibtisch und nicht in irgendwelche Schubladen oder Schachteln. Das erfordert etwas Disziplin, und bei hohem Korrespondenzaufkommen wird das To-Do-Körbchen auch recht schnell voll, dann muss man halt zwischendurch mal sortieren und die Ablage füttern. Aber es erleichtert die Arbeit ungemein, wenn man sich die Papiere nicht in der ganzen Bude zusammensuchen muss, sondern sie an genau einer Stelle findet. Dann geht einem auch nichts durch die Lappen, noch zu bezahlende Rechnungen fliegen dabei ebenso auf wie noch zu beantwortende Schreiben oder Telefonate.

Ich vermerke übrigens auf jeder abzuheftenden Rechnung, wann und wie ich sie bezahlt habe: erledigt online am „Datum“.

Ich notiere ebenso durch Telefon erledigte Vorgänge mit „erledigt telefonisch am „Datum“ gesprochen mit Herrn/Frau XY“.

Das der Vollständigkeit halber, es dient der Nachvollziehbarkeit von Vorgängen ungemein.

So, aber jetzt haben wir das Rüstzeug für eine funktionierende Ablage. Wenn man sich einmal ein funktionierendes System erstellt hat, kann man jahrelang in Ruhe damit arbeiten. Manchmal kommt ein neuer Ordner hinzu, manchmal können alte Papiere auch zum Altpapier, aber im grossen und ganzen hat man jetzt seine Ruhe, und eine Ablage, in der man auch alles wiederfindet. Das erleichtert das Leben und minimiert den Zeitaufwand, den man auf den leidigen Papierkram verschwenden muss. Schliesslich gibt es wichtigere Dinge im Leben, auch wenn Buchhalterkinder da manchmal anderer Ansicht sind 😉

22. August 2019
von admin
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Dolce far niente muss man auch erstmal können

Ich habe einen grossen Teil meiner Teenagerzeit in Italien verbracht, da hatte ich einfach unverschämt Glück und bin in einem Schüleraustauschprogramm der Städte München und Verona zu einer Familie gekommen, mit der ich mich hervorragend verstanden habe, besonders mit der Mamma, der wunderbaren Signora Fanini. Die Familie besass einen grossen Gutshof und ausgedehnte Ländereien, auf denen vor allen Dingen Obst angebaut wurde. Ich verbrachte während meiner Gymnasialzeit alle Sommerferien bei den Faninis, und verinnerlichte dort nicht nur die Sprache und die Kochkunst, sondern auch die italienische Lebensart. Die Faninis waren wohlhabend, aber sie waren auch fleissig. Die Plantagen erforderten das ganze Jahr lang viel und harte Arbeit, und nicht nur die Lohnarbeiter langten kräftig hin, auch die Familie schaffte nach Kräften in der Landwirtschaft mit. Das ging während der Saison bei Sonnenaufgang los, spätestens um fünf traf man sich in der Küche auf einen Espresso, und dann ging es raus auf die Felder.

Signora Fanini kochte jeden Tag ein währschaftes Mittagessen für alle, die auf dem Gutshof arbeiteten, und es sassen pünktlich um Zwölf die ganze Familie und alle Arbeiter an der langen Tafel in der herrschaftlichen Villa. Da wurde gemeinsam geschlemmt, denn die Signora war eine fantastische Köchin. Und nach dem Essen wurde geruht, im Sommer bis die grösste Tageshitze vorbei war, also mindestens bis um vier Uhr. Dafür zog sich jede und jeder in sein Schlafzimmer zurück, hinter verschlossene Fensterläden, die die grösste Hitze abhielten. Erst gegen frühen Abend kamen alle wieder heraus, und dann gab es nochmal einen frischen Espresso oder auch gleich einen Caffé corretto (Espresso mit einem Schuß Grappa) für die Mannsbilder. Danach ging es nochmal auf die Plantagen, aber eigentlich wurden jetzt nur noch abschliessende Arbeiten geleistet, bereits gepackte Obststeigen eingesammelt, gejätetes Unkraut weggekarrt, die Bewässerung für den Abend eingestellt. Dann wurde die heutige Ernte noch zum Grosshändler gefahren, das war die wichtigste Arbeit zum Tagesabschluss. Da wurde es dann schon sieben, acht Uhr und später, ehe man Feierabend machen konnte.

Den Feierabend verbrachten die Arbeiter und die Männer der Familie mit grosser Begeisterung auf der Piazza des kleinen Ortes, da gab es eine Sportsbar und eine Trattoria und ein Eiscafe. Man ass ein Sandwich und trank un Bicchiere di Vino oder auch una Birra Grande dazu, viel Hunger hatte keiner, weil Mittags so geschlemmt worden war. Wenn man ein Glas getrunken und einen kleinen Imbiss gegessen hatte, übte man sich in der typisch italienischen Abendbeschäftigung, die das Leben jeder Piazza Centrale ist: „fare la passegiata“. Man spaziert, rund um die Piazza, man sieht wer sonst noch aller da ist und grüßt sich mit ausgesuchter Höflichkeit, man bleibt am Cafe oder an der Bar auf ein Schwätzchen stehen, man zieht sich für persönliche Gespräche mit Freunden auf eine Bank unter den Platanen zurück.  Man diskutiert das Tagesgeschehen und was heute in der örtlichen Zeitung stand, man unterhält sich über den Stand der Landwirtschaft und über die Obstpreise, der Bürgermeister informiert aus erster Hand über die Lokalpolitik, und der Herr Pfarrer tut das selbe aus Sicht der katholischen Kirche – spätestens jetzt müssten Ihnen die wunderbaren alten Don-Camillo-Filme in den Sinn kommen. So läuft – oder lief – der Feierabend in einem kleinen Landstädtchen in Oberitalien, alle trafen sich auf der Piazza, und es wurde geredet, gelacht und schon auch mal gestritten, aber auch wieder versöhnt. Bis etwa gegen Mitternacht, dann wurde es höchste Zeit heim und ins Bett zu gehen, denn am nächsten Morgen ging es wieder bei Sonnenaufgang raus.

Besonders während der Obstsaison wurde auf der Plantage wirklich lang und hart gearbeitet, aber es wurde auch darauf geachtet, dass man Zeit zur Erholung fand. Die ausgedehnte Siesta nach dem gemeinsamen Mittagessen glich den kurzen Nachtschlaf aus, und fare la Passegiata am Abend deckte die Bedürfnisse nach Kommunikation und das Zusammengehörigkeitsgefühl im Städtchen ab. Das ist jetzt vierzig Jahre her, ich weiss nicht ob der Lebensrhythmus im ländlichen Oberitalien noch den alten, bewährten Mustern folgt. Aber ich erinnere mich gut daran, dass die Menschen in San Giovanni Lupatoto (so hiess das Städtchen) durch die Bank freundlich, höflich und ausgeglichen waren. Work-Life-Balance heisst das Geheimnis dieser Ausgeglichenheit auf Neudeutsch, und in unserer schnelllebigen Leistungsgesellschaft findet man sie selten. Im Landstädtchen San Giovanni bei Verona war sie ein Teil der Lebensart, und ich hatte wirklich ausgesprochen grosses Glück, daran teilzuhaben. Wer weiss, wäre ich ein paar Jahre älter gewesen, hätte ich vielleicht einen passenden jungen Mann aus dem Städtchen kennengelernt – die Passegiata ist auch ein Heiratsmarkt – und wäre dort geblieben, wo die Uhren anders gehen und die Lebenszeit bekömmlicher eingeteilt wird.

21. August 2019
von admin
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…und was ist aus ihren guten Neujahrsvorsätzen geworden?

Das Jahr ist schon mehr als halb rum, und ich habe bislang noch nicht berichtet, was aus meinen guten Vorsätzen zu Silvester geworden ist. Mehr Geduld wollte ich üben, und mir mehr Zeit für die wirklich wichtigen Dinge im Leben nehmen (genau nachlesen kann man es in diesem Artikel)…

Na, mir gehts wohl wie den Meisten: es klappt manchmal, aber nicht immer. Geduld ist noch immer meine starke Seite nicht, und ich bin im Abwarten und Füße stillhalten nicht so gut wie im Losgaloppieren. Dabei bin ich durch widrige Umstände wieder mal zum Abwarten gezwungen und kann noch lange nicht so loslegen wie ich gerne möchte, ich erspare mir und Ihnen mal die Details. Es sei nur gesagt, dass ich erst zum Wintersemester starten kann, und da ist es noch ein paar Wochen hin. Grummel. Es fällt mir sehr schwer, bei der neuerlichen erzwungenen Wartezeit die gute Laune nicht zu verlieren.

Positiv zu vermerken ist: ich bin seit Januar Nichtraucherin. Nicht rückfällig geworden, auch wenn hier noch zwei ungeöffnete Schachteln Zigaretten und einige Feuerzeuge liegen. Ich könnte, wenn ich wollte, aber ich tu nicht. Drücken sie mir die Daumen, dass ich das weiter so gut durchhalte.

Was ist mit mehr Zeit für die wirklich wichtigen Dinge? Das ist mir so teils teils gelungen. Ich pflege meine Freundschaften und Familienbeziehungen und nehme mir auch Zeit für meine wichtigsten Weggefährten, aber da wir leider so ziemlich durch Deutschland verstreut sind und die Beziehungen hauptsächlich telefonisch geführt werden, ist das gar nicht so leicht. Wenn ich wenigstens ein, zwei FreundInnen hier in München hätte, mit denen man ab und zu was unternehmen kann, wäre es einfacher. Aber neue Freunde finden sich nicht so leicht – schon gar nicht, wenn man älter und zugegeben eigenbrötlerischer wird. Mal sehen, ob sich da an der Uni was ändert, da bin ich schon sehr gespannt.

Eine wichtige Freundschaft habe ich reaktiviert. Ich war wegen einer persönlichen Sache sauer auf die betreffende Person, und habe mich ein halbes Jahr lang nicht mehr gemeldet. Dann ist es mir zu blöd geworden, ich hab angerufen und gesagt: sind wir wieder gut? Du fehlst mir! Und wir sind wieder gut, ohne unnötiges Nachtarocken und ohne unnützes Aufwärmen alter Geschichten. Ich freu mich wie Bolle dass das so gut geklappt hat!

Was war da noch an wichtigen Dingen, für die ich mir mehr Zeit nehmen wollte? Ganz allgemein es ruhiger angehen zu lassen, und das Leben insgesamt etwas relaxter zu sehen. Gelang mir bislang mittelgut. Am Besten hab ichs noch hingekriegt, wenn das Wetter so schön war, dass sich ein Ausflug zum See lohnte, da war ich heuer im Frühsommer ganz viel und hab Faulenzertage genossen. Was ich da gemacht habe? Nix. In der Sonne oder an sehr heissen Tagen auch im Schatten gelegen, gebadet, Nickerchen gemacht. Auf dem Heimweg auf ein leichtes Weizen im Biergarten vorbeigeschaut, und mir danach zuhause noch ein leckeres Abendessen zubereitet. Sonst: nix gemacht, nur entspannt. Diese Politik habe ich im Juli im Urlaub weiterverfolgt, ich hab da auch sehr erfolgreich nix gemacht ausser den ganzen Tag das Wetter beobachtet, Baden gegangen und Abends Essen zubereitet. Ich hab noch nicht einmal ein Strickzeug in die Hand genommen, so faul war ich. War prima! 🙂

Bei schlechterem Wetter, wenn ich notgedrungen zuhause bleiben musste, ist das mit dem Relaxen lange nicht so leicht gewesen. Ich kann einfach nicht auf dem Sofa sitzen und nichts tun, ich muss mich immer irgendwie beschäftigen, wenn ich daheim bin. Handarbeiten oder Computern,  Basteln oder Handwerkern oder in der Küche werkeln, irgendwas muss ich immer machen. Dabei verbrösel ich mich leider oft, immer dann wenn ich an zu vielen Projekten gleichzeitig arbeite, dann bricht hier in der Wohnung gern mal das Chaos aus, und ich muss die Notbremse ziehen und erst mal wieder klar Schiff machen. Ich wollte ja mit meinen Renovierungsarbeiten in der Wohnung weiterkommen, aber daraus ist noch nicht viel geworden, ich hab das Wohnzimmer umgebaut und entrümpelt, und das wars erstmal. Wenigstens habe ich schon einen Plan, wie es im Schlafzimmer weitergeht, ich werde eins meiner zeitraubenderen Charity-Projekte sachte entschlafen lassen, ich hab einfach nicht den Platz, die Sachen immer hier zwischenzulagern. Das habe ich mir jetzt für den Herbst vorgenommen, mal sehen wie ich es am besten löse.

Das mit dem Abwarten üben wir noch, da bin ich noch nicht wirklich gut. Na ja. Die paar Wochen bis zum Wintersemester krieg ich auch noch rum, und dann sehen wir weiter. Ich werde berichten!

19. August 2019
von admin
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Meine heimische Manufaktur: warum ich so oft in Serien arbeite

Ich bin im zweiten Beruf Künstlerin. Ich male nicht nur, ich fertige auch allerhand schöne Dinge in den verschiedensten Techniken. Textiles Handarbeiten ist mein am häufigsten ausgeübtes Kunsthandwerk, ich bin nie ohne mehrere angefangene Strick- oder Häkelarbeiten, an denen ich abwechselnd arbeite. In meiner Wohnung lagern wundervolle Wollvorräte für zukünftige Projekte, und meine fertigen Strick-Produkte finden in meiner Familie und bei meinen FreundInnen reissenden Absatz.

Handarbeiten hat in unserer Familie Tradition, ich habe es schon als ganz kleines Mädchen von Mami und Oma abgeschaut und mir die Fingerfertigkeit und das Können angeeignet, nicht nur nach Anleitung Stricken und Häkeln zu können, sondern meine eigenen Modelle zu entwerfen. Da war vor allen Dingen die Oma eine fantastische Lehrerin, sie war ja Schneiderin (Modistin! Ja, Oma, hast ja recht!) und wusste alles über Maßnehmen und Paßform von selbstgenähten Kleidungsstücken.

Der größte Schatz in Omas Atelier war ihr Fundus von selbst gefertigten Papierschnitten. Da gab es für jede ihrer Kundinnen eine ganze Sammlung von hervorragend passenden Schnittmustern, für einen Blazer und einen Mantel, für eine Bluse und eine Weste und einen Cardigan, für Hosen, Röcke, Dirndl und Abendkleider. Meine Oma kaufte auch jeden Monat die Burda, das war ihre Quelle der Inspiration, aber Nähen tat sie nicht  nach den Burdaschnitten, sondern nach denen, die sie selber angepaßt und nach den Massen ihrer Kundinnen bearbeitet hatte.

Da wurde nicht jedesmal das Rad neu erfunden, da kam zum Beispiel das Fräulein Hetty und brauchte einen marineblauen Blazer im Matrosenstil für den Urlaub in Südfrankreich. Prima, sagte die Oma, ging in ihren Fundus und holte den erprobten Blazerschnitt für Fräulein Hetty aus ihrer Sammlung. Dafür nehmen wir einen marineblauen Wollgabardine, den gibts bei Weipert, und Goldlitze sowie Messingknöpfe zum Ausputzen, die holen wir bei Beck am Rathauseck.

Das Fräulein Hetty wurde dann nur zur Sicherheit nochmal vermessen, für den Fall dass sie unbemerkt ein paar Pfund zu- oder abgenommen haben sollte, und die Maße mit dem Schnitt verglichen. Passte alles, dann legte die Oma los, und spätestens nach einer Woche war der neue Marineblazer für Fräulein Hetty fertig zur ersten Anprobe.

Die Oma arbeitete also immer zumindest in Kleinserien, statt jedesmal einen nagelneuen Schnitt an die Kundin anzupassen, nahm sie Bewährtes und gut Passendes, und variierte es mit ihrem Geschick und ihrem stilsicheren Mode-Empfinden nur in Details. Die Paßform blieb, das Revers zum Beispiel sah bei jedem Modell anders aus, Längen und Ärmelvarianten wurden angepasst, und natürlich wirkte schon jeder Stoff wieder anders, da kam garantiert keine Langeweile auf. Damit pflegte sie auch die immer langjährigen Beziehungen zu ihren Kundinnen, bei Oma Latta gab es maßgeschneiderte Couture zu familienfreundlichen Preisen, eben weil sie nicht für jedes Stück das Rad neu erfinden musste.

Dieses Prinzip, dass man ein funktionierendes Grundmodell hat, von dem man immer wieder Varianten fertigen kann, übertrug Oma auch auf ihre sonstigen Handarbeiten, und ich habe es von ihr übernommen. Ich habe einige Ordner voll mit selbstgeschriebenen Anleitungen zum Stricken, Häkeln und Nähen, und greife immer wieder auf Bewährtes zurück. Socken aus Regia in mehreren Größen, die immer beliebten Rippenschals auf der Strickmaschine, Babysnifferchen für meine Charity-Projekte, die beliebten Herbstblattl-Handstulpen, noch ’ne Weste im Muschelmuster – ich habe -zig Grundmuster, von denen ich immer wieder mit grossem Erfolg Varianten herstelle. Das hat ganz viel damit zu tun, dass ich Handarbeiten als Handwerkskunst verstehe und ausübe, und meinen Fundus an funktionierenden Anleitungen als Betriebskapital ansehe. Wie zum Beispiel auch ein Möbelschreiner  sein Grundwissen über die Fertigung  von Tischen, Stühlen und Schränken einsetzt, und nicht jedesmal wieder eine Türpassung oder eine Armlehne neu erfinden muss.

Ich nehme auch manchmal dieses Strickmuster von jener Jacke, die Länge und Weite von dieser Weste, die Knopfleiste von diesem Stück und den Halsauschnitt hiervon. Ich kupfere bei mir selber ab was das Zeug hält, und fertige daraus Neues und Passendes. Aber wesentlich öfter nehme ich mir ganz relaxed ein funktionierendes Grundmodell, arbeite es so wie ich es schon -zig mal gemacht habe, und freue mich wenn es wieder mal prima funktioniert. Puristen mögen da in Frage stellen, inwieweit es eine kreative Leistung ist, wenn man immer wieder das selbe macht, aber ich sehe das nicht so eng. Ich freu mich wenn etwas Gescheites herauskommt bei meinen Handarbeitereien, und meine Kundschaft (Familie&Freunde) freut sich über Selbstgemachtes aus meiner Werkstatt, immer wieder.

Das geht sogar noch einen Schritt weiter: ich be-handarbeite meine Kundschaft schon seit vielen, vielen Jahren, und mit der Zeit nagt dann doch deren Zahn an manchem Lieblingsstück. Da kommt dann oft der Hilferuf: ach Evi, kannst du mir nicht nochmal so eine/n (Dingsbums) stricken, der/die/das Alte geht leider kaputt! Dann bin ich froh, wenn ich in meinen Aufzeichnungen eine Dokumentation finde, wie ich besagtes Lieblingsstück damals gewerkt habe. Ein exaktes Duplikat ist zwar in den seltensten Fällen möglich, meistens gibts die Wollqualität und/oder die Farbe nicht mehr. Aber die Machart lässt sich meistens duplizieren, und ich finde in meinen Vorräten meistens ein Material, das dem Original zumindest nahekommt. Boah, wenn ichs hingekriegt habe ist die Freude gross! Und das fadenscheinig gewordene Original wird in den wohlverdienten Ruhestand versetzt.

Notiz am Rande: Lieblingsstricksachen werden in unserer Familie übrigens durch die Bank getragen und benutzt, bis sie komplett löcherig und fadenscheinig sind, und mit keiner Fingerfertigkeit der Welt mehr zu richten. Da hilft dann nur die komplette Replikation, mit Restaurierung ist da meistens nichts mehr zu machen. Na, paßt schon – ein guter Handwerker beherrscht im Notfall auch die Kunst des sachgerechten Neubaus 🙂

17. August 2019
von admin
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Schreibzeug statt Tablet: Back to the Roots

Eigentlich wollte ich mir für die Uni ein schniekes kleines Tablet zulegen, mit Bluetooth-Tastatur und Touchpad. Die Idee dabei war, immer mein elektronisches Büro dabeihaben zu können und z.B. Vorlesungsmitschriften gleich im Anschluss einzutippen, solang ich die Sachen noch frisch im Kopf habe.

Dann habe ich mich etwas eingehender mit e-learning bzw. Lernen am Computer beschäftigt, wie bereits im vorigen Artikel nachzulesen ist: E-Learning: Erkennen oder Erinnern

Ergebnis der Nachforschungen und mehrerer interessanter Diskussionen mit meinen guten Freundinnen und Freunden: ich probiers anders. Um nicht in die e-learning-Falle zu tappen, nämlich das Wissen zwar auf der Festplatte gespeichert zu haben, aber nicht im Kopf, gehe ich es anders an. Ich hab mir ein schönes Schreibset gekauft, einen Kuli und einen Druckbleistift in feiner Qualität und edler Optik. Dazu Schreibblocks und Ringbucheinlagen, Ringbücher habe ich noch (original 80er Jahre Design) und Register und Trennblätter auch, da bin ich gut ausgestattet.

Dann hab ich gleich mal geübt: ein Strickmuster handschriftlich entworfen, probegestrickt und handkorrigiert, bis es gepaßt hat. Erst dann habe ich es in den Computer reingeklopft, und damit war ich nullkommanix fertig, weil ich es schon auswendig konnte.

So, denke ich mir, klappt das mit dem Lernen wahrscheinlich besser. Ich werde meine Mitschriften handschriftlich ins Reine schreiben, und nur in den Computer tippen, wenn es unbedingt sein muss. Über den Weg Auge-Hirn-Hand-Papier bleibt halt doch deutlich mehr hängen.

Natürlich wird heutzutage verlangt, dass Hausarbeiten etc. in elektronischer Form verfasst und sauber ausgedruckt abgegeben werden. Aber das  ist was anderes, da ist die saubere Formatierung der letzte Schliff, die Arbeit muss man sich schon machen. Dafür kann man dann auch die Rechtschreibprüfung nutzen, das kann ich schon gut gebrauchen, weil ich ein bisschen Kraut und Rüben schreibe, was das Englische angeht: British und US in bunter Mischung, das geht natürlich für die Uni nicht. Da muss ich mich für eine Variante entscheiden und dann dabeibleiben.

Vielleicht stellt sich im Lauf des Semesters ja auch heraus, dass ein Tablet zum Texterfassen doch Sinn macht, dann kann ich mir immer noch eins holen. Aber ich fang jetzt mal handschriftlich an, und sehe wie weit ich komme. Back to the Roots – ich habe eigentlich schon immer gerne mit der Hand geschrieben. Und wenn ich ein bisschen übe, ist meine Handschrift auch hübsch leserlich, auch wenn sie keinen Schönheitspreis gewinnt. Das wird eine spannende Sache – ich werde berichten!

12. August 2019
von admin
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E-Learning: Erkennen oder Erinnern

Lernen ohne Computer ist heutzutage fast undenkbar. Schon in der Grundschule wird gegooglet was das Zeug hält, und da geht es schon los mit der Tücke der Methode: Lösungen werden abgespeichert und bei Bedarf wieder aufgerufen, man merkt es sich nicht im Kopf, man benutzt den Computer als externe Memory fürs eigene Gehirn. Die Smartphone- und Tabletnutzer werden immer jünger, und sie sind nur mit roher Gewalt von ihrem mobilen Internetzugang zu trennen. Ich rede hier mal noch gar nicht von Social Media, es geht schon damit los dass für jede noch so triviale Frage die Lösung zuerst im Internet gesucht wird, statt das eigene Erinnerungsvermögen einzuschalten.

Im Englischen gibt es dafür zwei sehr fein unterscheidende Begriffe, Recognition und Recall, das sind Wiedererkennung und Entsinnen. Recognition ist das, was beim Googlen am schnellsten greift. Man erkennt anhand von Satzfragmenten und Wortfetzen sehr schnell, ob der Google-Eintrag eine Lösung für mein aktuelles Problem bieten könnte, und wenn dem so ist, setze ich ein Bookmark, damit ich die Lösung auch wiederfinde, wenn ich sie brauche.

Recall funktioniert anders. Dabei nimmt man sich konzentriert einen Augenblick Zeit, geht in das eigene Erinnerungsvermögen und fördert Wissen zutage, das man sich durch Übung, Erfahrung und Wiederholung erworben hat. Dieses Wissen ist ein Schatz, und auch ganz ohne Internet nutzbar. Jeder hat da seine eigenen Schätze, ich zum Beispiel habe eine ganze Datenbank voller Kochrezepte in meinem Oberstübchen abgespeichert, eine meiner besten Freundinnen hat hunderte von Gedichten auswendig parat, und das sind nur winzige Bruchteile dessen, was das menschliche Gehirn so abspeichern kann. Sprachen und Vokabeln speichert man dort oben ab, auch Programmiersprachen, wobei hier die Grenzen fliessend sind.

Ich habe in den 1980er Jahren meine erste Programmiersprache Standard-Pascal gelernt, damals noch mit Lochkarten und schriftlicher Ausgabe an Decwriter-Terminals. Der Unterricht fand zum grössten Teil theoretisch statt, wir lernten Datentypen und Sprachelemente von der Pike auf, den Unterschied zwischen for.. next und do…while, repeat…until und do…case haben wir uns reingezogen bis wir es im Schlaf beherrschten. Denn die Rechnerzeit war knapp bemessen und teuer, wir konnten es uns nicht erlauben bei der Eingabe viele Fehler zu machen oder gar durch ausprobieren Fehler auszumerzen, das musste möglichst schon im ersten Anlauf klappen.

Von dieser soliden Basis habe ich mein ganzes Berufsleben lang profitiert, ich habe neue Programmiersprachen immer auf das alte Fundament aufbauen können, ohne jemals die Grundlagen nochmal nachschlagen zu müssen. Die habe ich parat in meinem Gehirn, das sitzt und ist bei Bedarf sofort abrufbar. Ein Array ist ein Array, ein Integer und ein Float sind in jeder Programmiersprache ähnlich definiert, man macht immer gerne Offset-by-One-Fehler, und die Sonderbehandlung der deutschen Umlauts ist fast überall ein Kapitel für sich. Ob Pascal oder C#, Visual Basic, PHP oder Javascript, der Wiedererkennungswert ist hoch, am ehesten macht einem noch die Grammatik und Interpunktion zu schaffen. Kommt am Zeilenende ein ; oder ein <br>, wie benennt man Variable ($test, test01) und Konstanten, nimmt man bei Strings doppelte “ oder einfache ‚ Hochkommata, das sind so die kleinen Stolpersteine, wenn man zwischen unterschiedlichen Programmiersprachen wechselt. Ansonsten: ich bekenne mich schuldig, neue Programmiersprachen lerne ich per Google und Copy&Paste, und mir reicht es wenn ich weiß wo ich eine Lösung gespeichert habe, ich muss nicht alles auswendig können.

Ich habe allerdings in fast 30 Jahren Berufsleben nur einmal (in der IHK-Prüfung zum Fachinformatiker) eine Klausur schreiben müssen, in der man keinen Computer benutzen durfte, und die hab ich auch nur mit Ach und Krach geschafft. Den praktischen Teil der Prüfung, ein Programmierprojekt, hab ich dafür mit 100 von 100 Punkten abgeschlossen, das hats dann wieder ausgeglichen. Aber die theoretisch/schriftliche Prüfung war ein Desaster, ich hatte ja den Stoff nicht im Kopf, sondern nur auf meinem Notebook abgespeichert. Das blüht jedem, der ausschliesslich am Computer lernt: kein Computerzugriff, keine Erinnerung, Prüfung versemmelt.

Das ist jetzt im richtigen Leben, speziell im Berufsleben, nicht wirklich ein Beinbruch. Im Normalfall hat man ja am Arbeitsplatz immer Computer- und Internet-Zugriff, und es wird auch nicht erwartet dass man auf den Schlag Problemlösungen wie Karnickel aus dem Zauberhut zieht. Im Regelfall wird man erstmal recherchieren, dabei aus mehreren Lösungen die praktikabelste aussuchen und auf die aktuellen Probleme anpassen. Anders gehts auch gar nicht mehr, niemand hat mehr die Zeit neue Programmiersprachen, Konzepte und Standards von der Pike auf zu lernen. Man springt eigentlich immer ins kalte Wasser, mit Tante Google als Rettungsleine. Ohne die unzähligen Supportforen und Online-Tutorien, ohne Codesammlungen und Programmbibliotheken kann in der IT heutzutage niemand mehr arbeiten. Niemand kann das alles im Kopf haben, dazu gibt es zu schnell zu viel Neues auf allen Gebieten.

Das erfordert aber noch eine ganz andere Fähigkeit: man muss in der Lage sein, Lösungen auch wiederzufinden. Und das geht nur mit Disziplin und Selbstorganisation – es hilft sehr, wenn man sich mal eine sinnvolle Struktur von Desktop und Festplatte (auch externe bzw. Serververzeichnisse) überlegt hat, und sich dann auch daran hält. Und alle paar Jahre mal sollte man Großreinemachen… ich habe sehr selten Programmbibliotheken noch einmal gebraucht, wenn sie einmal älter als 10 Jahre waren. Ein guter Zeitpunkt dafür ist es, wenn man sich einen neuen PC zulegt, dann kann man bei der Datenübernahme gleich mal Großputz machen. Ich lagere selten benutzte Software dann gern auf eine externe Festplatte aus, damit ich im Notfall doch wieder dran kann, habe das allerdings noch kaum gebraucht. In der extrem schnelllebigen Branche, die ich mir ausgesucht habe, darf man auch getrost vieles einfach wieder vergessen, weil man es garantiert nie wieder braucht.

Bei der stetig steigenden Informationsflut, die tagtäglich auf jeden von uns niederprasselt, muss man sogar gezielt das schnelle Vergessen üben, damit man sich das Gehirn nicht mit nutzlosem Schrott verstopft.

Eine beliebte Methode ist es, sich alles irgendwie (als Link, Bookmark, Screenshot…) abzuspeichern, wenn man glaubt es irgendwann wieder gebrauchen zu können. Das verstopft Festplatten und USB-Sticks, das geht Mega- und Gigabyteweise in die Cloud und treibt da im Zweifelsfall die Kosten hoch, und kein Mensch findet jemals etwas wieder. Vergesst es einfach – mindestens 99% von dem ganzen Schotter interessiert in ein paar Tagen (oder Wochen, Monaten, Jahren) kein Schwein mehr. Da ist es oft schlauer, neu zu googlen, als in der endlosen Speicherplatzwüste etwas wiederfinden zu wollen. Mut zum Vergessen – und es ist sogar wahrscheinlich, dass es inzwischen eine schlauere Lösung für ein bestimmtes Problem gibt. Zum Beispiel eine neue Programmiersprache, einen neuen Standard, eine neue Methodik. Und dann frisch auf, wir lernen etwas ganz Neues – das macht Spaß und ist Gehirnjogging vom Feinsten. Ich nehme mir die Freiheit, weiter mit einer Kombination aus Recall (Grundlagenwissen) und Recognition (ergooglete Lösungen und Codesnippets) zu arbeiten. Zumindest am Arbeitsplatz. Wenn ich wieder mal in die Verlegenheit kommen sollte, eine Klausur ohne Computer schreiben zu müssen, werde ich anders lernen müssen, dann muss der Stoff ins Gehirn, nicht auf die Festplatte. Wenn man sich das klar macht, kann man andere Lernstrategien einsetzen, und dann klappts auch mit der Prüfung. Mal sehen – zum Abenteuer Lernen wird es hier sicher noch ein paar Artikel geben, da hab ich noch viel vor. Bis dann viel Spaß beim Abspeichern und Wiederfinden! 🙂

1. Januar 2019
von admin
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Good things come to those who wait: meine kleine Neujahrsansprache

Ich machs auch nicht anders als die meisten: zum Start eines neuen Jahres fasse ich gute Vorsätze, einfach weil es eine gute Zeit ist, Resümee zu ziehen und dies zu tun. Mein Hauptvorsatz für 2019: ich will mehr Geduld üben. Muss ich auch ganz pragmatisch, weil meine Pläne fürs neue Jahr jetzt erst mal eine Wartezeit erfordern, ich muss noch circa drei Monate lang die Füsse still halten, ehe es mit einem neuen, grossen Projekt weitergeht.

Geduld ist meine starke Seite nicht, noch nie gewesen. Ich bin ja selber von der schnellen Truppe und erledige viele Dinge wenn es geht sofort, ratzfatz und schnackbummbäng 🙂 Das muss man in meinem Beruf auch können, das Arbeitstempo in der IT ist halsbrecherisch, da hat man nie Zeit sich erstmal in aller Ruhe zu überlegen, wie man etwas angeht, da muss man ohne Gezeter ran an die Buletten und Lösungen liefern, möglichst schon Vorgestern. Damit wird es einem zwar nie langweilig, aber so richtig gesund ist dieses Höllentempo auf die Dauer auch nicht, das artet normalerweise in Stress aus und in viele Überstunden und Wochenendschichten. Das hält auch der hartgesottenste alte ITler nicht jahrelang aus, das geht oft geradenwegs in den Burnout. Da ich allerdings jetzt in der glücklichen Lage bin, mir meine Projekte selber steuern zu können, ist der Einzige der mir Druck macht ich selber, und genau da will ich die Bremse anziehen.

Ich hab da heute einen netten Artikel von Henry Latham über die Geduld, und wie wir sie in unserer Zeit verlernt haben gelesen, hier ist der Link:

https://medium.com/the-polymath-project/societys-problem-with-patience-a6b54a51b365

Er bringt unter anderem ein schönes Zitat von Leo Tolstoj:

“Die beiden mächtigsten Krieger sind Geduld und Zeit.”

Das haben wir in unserem schnellebigen Zeitalter fast alle vergessen. In Zeiten von Instant Information & Instant Gratification muss alles sofort passieren: wir wollen sofort Informationen ergooglen, wollen sofort am Smartphone errreichbar sein, und sofort ein Star oder ein erfolgreicher Startup werden ist auch so eine Seifenblase, der Millionen hinterherhechten, weil es von den Medien so gepusht wird. Sendungen wie „The Voice of Germany“ gaukeln einem vor, dass man über Nacht zum Star werden kann, und lassen die Jahre der Vorbereitung und der harten Arbeit bewusst aussen vor. Ein Fingerschnippen muss genügen und dann muss sofort passieren was wir uns wünschen, so sieht das heutzutage in den Medien aus.

Es gibt ein nettes altes amerikanisches Sprichwort, das lautet: „Good things come to those who wait“, wörtlich: „Gute Dinge kommen zu denen, die warten können.“ Das möchte ich mir mehr zu Herzen nehmen. Nathan Sykes hat ein hübsches Lied mit einem sehr einfühlsamen Text daraus gemacht, hier ist ein schnuckeliges Video davon:

Es fängt an mit dem Text (sinngemäss): „Es ist kein Notfall, keine Sirenen vor mir, nichts hält mich davon ab, meinen Weg zu gehen…“

Die Lyrics handeln davon, dass man an seinem Platz bleiben und in aller Ruhe abwarten kann, dass man sich nicht abhetzen muss, weil es sowieso nichts bringt, dass man kurz gesagt mit Geduld eher weiterkommt als mit hektischem Aktionismus. Das Lied ist ein schöner Ohrwurm, und die Message versuche ich mir zu Herzen zu nehmen.

Da ich aber im Nichtstun und nur Abwarten ganz,  ganz schlecht bin, werde ich noch viel üben müssen. Ich hab ja Tausend Kleinprojekte im Bereich Kunst, Hobby und Handwerk, ich werde denen mehr Raum geben, solange ich noch abwarten muss mit der grossen neuen IT-Herausforderung. Ich hab ja sogar ein recht ehrgeiziges neues privates Programmierprojekt, mit dem ich mich sicher viele Stunden und Tage beschäftigen könnte, aber die ganze Zeit nur am Computer zu sitzen ist auch nicht gesund. Das limitiere ich mir auf wenige Stunden pro Tag, und ansonsten werde ich mich in der nächsten Zeit jetzt eher den schönen Künsten widmen – und meiner Wohnung, die ist nämlich noch nicht fertig renoviert. Und ansonsten werde ich Geduld haben, die paar Monate gehen auch vorbei. Es tut meinen Freundschaften und Bekanntschaften sicher auch gut, wenn ich mal nicht wie eine Wilde vorneweg galoppiere, sondern mal einen Zacken langsamer fahre und auch mal drauf schaue, ob die anderen auch mitkommen. Das übersieht man nämlich sehr gerne, wenn man das Leben auf der Überholspur fährt: es wird ganz schnell einsam da vorne.

Dann lieber abwarten und Tee trinken…. und auch mal gute Freunde dazu einladen. Denn, so steht es sehr wahr auf meiner schönsten Weihnachtspostkarte: es sind die Begegnungen mit Menschen, die unser Leben lebenswert machen. Und das passt perfekt zu meinem guten Vorsatz fürs neue Jahr. Mehr Geduld üben, mehr Zeit für die wirklich wichtigen Dinge des Lebens nehmen. Ich probiers mal – und ich werde berichten, wie es mir gelingt.

Ich wünsche allen ein wunderbares neues Jahr, und mögen eure guten Vorsätze so wahr werden, wie ihr es euch wünscht!

prostneujahr

prostneujahr