Praxis Dr. Inselfisch

Psychologie, Philosophie und Programmierung

Ich muss nicht mehr täglich das Rad neu erfinden

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Klingt eigentlich ein­leuch­t­end, oder? Ist aber nur so, weil ich seit eini­gen Jahren in Frührente bin und nicht mehr das hals­brecherische Tem­po in der IT Branche mithal­ten muss. Als ich noch im Beruf­sleben stand, war es ganz nor­mal jeden Tag mit Din­gen kon­fron­tiert zu wer­den, die man noch nicht kan­nte, von denen man nicht wusste ob und wofür sie zu gebrauchen waren, mit denen man sich aber umge­hend beschäfti­gen musste, weil irgen­dein Chef oder höheres Gremi­um so entsch­ieden hat­te. Damit man einiger­massen mithal­ten kon­nte, ver­sucht­en viele mein­er Mit­stre­it­er von Schu­lung zu Schu­lung zu hop­pen in der Hoff­nung, da wirk­lich über die neuesten Entwick­lun­gen informiert zu wer­den. War auch ein Irrtum, die Schu­lun­gen waren meist schon ver­al­tet ehe sie stattge­fu­den hat­ten. Da half nur eins: sich selb­st schlau zu machen, Stun­den um Stun­den zu investieren um nicht hin­ten­dran zu fall­en, Abends und am Woch­enende und statt Urlaub. Das hat natür­lich seinen Preis: Magenbeschw­er­den, Bluthochdruck, Schlaf­störun­gen… nach ein paar Jahren in dem Wahnsinnszirkus IT: Burnout.

Und das alles nur, weil man sich nie auf erwor­ben­em Wis­sen und Kön­nen aus­ruhen durfte, weil man nie sagen kon­nte: das ist mein Beruf, da kenne ich mich aus, da bin ich gut. Ich wollte ja eigentlich einen Handw­erks­beruf ler­nen, nur waren da meine Eltern dage­gen, ich musste studieren. Ich war gern an der Uni, aber auss­er mein­er Lieblings­fremd­sprache Englisch habe ich da nur sehr wenig gel­ernt, was mir später im Beruf­sleben nutzte. Einzig die Grund­la­gen der Pro­gram­mierung halfen mir, einen guten Job zu find­en und ordentlich Geld zu ver­di­enen. Alles andere — Biolo­gie, Chemie, Math­e­matik und all das war gradaus für die Katz, die müh­sam erwor­be­nen natur­wis­senschaftlichen Scheine inter­essierten in meinem Beruf nie­mand mehr. Und das natur­wis­senschaftliche Arbeit­en? Hat­te ich auf dem Gym­na­si­um schon gel­ernt, das lag mir im Blut 🙂

Wie dem auch sei, mein Traumjob Restau­ra­torin durfte nicht sein, aber ich habe mir die Restau­rierung alter Möbel zum Hob­by gemacht und schon viele schöne Stücke vor dem Sper­rmüll gerettet. Ich kann stolz behaupten, ich bin eine recht gute Möbelschreiner­in. Und jet­zt bin ich in einem Alter, wo ich mich langsam auf den Ruh­e­s­tand vor­bere­ite, und an die jün­gere Gen­er­a­tion übergeben kann. Na ja, kön­nte, wenn ich Kinder oder andere Nach­fol­ger hätte. Habe ich nicht, finde ich aber nicht schlimm weil ich eine ganz tolle Nichte und einen grossen Halunken von einem Nef­fen habe, die die Fam­i­lien­tra­di­tion der erst­ge­bore­nen Rebellen fort­führen 😉 Bin stolz auf die Bei­den!

Ich merke aber, dass ich in let­zter Zeit dazu tendiere, mich auf meinen Lor­beeren auszu­ruhen und es mal gut sein zu lassen mit dem ständi­gen Erler­nen von Neuem. Ganz im Gegen­teil, ich greife stattdessen in meinen Fun­dus, ins Archiv, ins Mag­a­zin, und hole Erprobtes und Bewährtes her­aus, und ver­schaffe dem die gebührende Beach­tung.

Ich habe ein gross­es eBook über das Patch­work­strick­en geschrieben, eine Kun­st die ich schon seit vie­len Jahren pflege, und in der ich es zu ein­er gewis­sen Per­fek­tion gebracht habe. Das Buch ist allerd­ings ein Dinosauri­er, so kom­plizierte Sachen will nie­mand strick­en. Jet­zt schreibe ich stattdessen mehrere kleine Han­dar­beits­büch­er über leichter erlern­bare Kun­st­stückchen auf der Strick- und Häkel­nadel. Zum Beispiel die Vodoo-Bärchen, leicht nachzuar­bei­t­ende Begleit­er in allen Lebensla­gen, ich hab sie selb­st ent­wor­fen:

Vodoobaerchen-schwarzweiss

Ich ste­he mit einem renom­mierten Ver­lag in Ver­hand­lun­gen, der sie vielle­icht her­aus­brin­gen möchte.

Jet­zt habe ich ger­ade ein weit­eres eBook ange­fan­gen, das “Inselfisch-Back­buch”. Warum ein Inselfisch-Back­buch? Die Rezepte ste­hen doch alle Online im Inselfisch-Kochbuch zur Ver­fü­gung! Ich habe aber in den let­zten Jahren viele Rezepte weit­er­en­twick­elt und per­fek­tion­iert, so dass sie ein­fach­er nachzu­machen sind und sich­er gelin­gen. Ausser­dem schreibe ich gern Büch­er, und es gibt auch viele neue Fotos, die Appetit machen und schön anzuse­hen sind.

Jeden­falls ist es ein reines Vergnü­gen, mir die Rezepte eins nach dem anderen aus dem Inselfisch-Kochbuch und aus dem Archiv her­auszukopieren, nochmal gegen­zule­sen und nach Bedarf zu mod­ernisieren. Das Buch wird der Hit zum gelingsicheren Nach­back­en!

Merken sie was? In meinen Büch­ern geht es um die Weit­er­gabe von Wis­sen und Erfahrung, und ich denke das ist gegen Ende eines abwech­slungsre­ichen Arbeit­slebens ganz nor­mal. Wäre ich Meis­terin in einem Handw­erks­be­trieb, hätte ich mir schon lange einen Nach­fol­ger (oder mehrere) aus­ge­sucht, und dem würde ich mein in langer Arbeit erwor­benes Kön­nen weit­ergeben.

Und merken sie noch was? Ich habe nicht das Bedürf­nis, meine IT-Ken­nt­nisse weit­erzugeben. Wür­den auch kein Schwein inter­essieren, weil sie schon seit Jahren ver­al­tet sind. Na ja, nicht alle… Algo­rith­mus ist Algo­rith­mus, Daten­bank ist Daten­bank, aber die ganze “Mobile First” Pro­pa­gan­da ist spur­los an mir vorüberge­gan­gen. Ich kann keine App für ihr Smart­phone pro­gram­mieren, und damit bin ich heutzu­tage schon raus aus dem Rat Race.

Das ist mir aber ziem­lich wup­pdich, ich habe genug anderes vor, und werde sich­er noch mehrere Büch­er schreiben. Allerd­ings muss ich den langge­hegten Traum, ein­mal meine Kinder­büch­er rund ums Regen­bo­genkistl zu veröf­fentlichen, lei­der begraben. Ich hab sie geschrieben als meine Nichte im Kinder­gartenal­ter anf­ing, sich für Com­put­er zu inter­essieren, und meine Mama als coole Oma gefragt war, der kleinen Christi­na den Com­put­er zu erk­lären. Die Oma und Christi­na waren meine dankbare Ziel­gruppe, wir haben toll zusam­mengear­beit­et. Aber heutzu­tage sind diese Büch­er hoff­nungs­los ver­al­tet, ein klein­er Lap­top mit Word und Excel und ein biss­chen Inter­net lockt heutzu­tage keine Kinder mehr, die haben alle ihre Smart­phones.

Seufz. Ich habe aber auch andere Büch­er geschrieben, die nicht die schnel­llebige Zeit wider­spiegeln, in der sie geschrieben wur­den. Da ist beson­ders das Büch­lein “Der Inselfisch und das kleine Sterndl” zu erwäh­nen, in dem mein alter ego Inselfisch gut auf das kleine Kind in mir auf­passt. Es ist eine Geschichte von der Fam­i­lie, und sie ist sehr zeit­los. Ich werde doch noch mal ver­suchen, einen Ver­leger dafür zu find­en.

Und dann gibt es noch mein gross­es Fan­ta­sy-Buch, das ich in einem bit­terkalten Win­ter Anfang der Achtziger Jahre in mein­er schlecht beheizten Stu­den­ten­bude ange­fan­gen habe. Es ist eine grosse Fam­i­lien­saga über drei Gen­er­a­tio­nen, und spielt in einem imag­inären Land zwis­chen den Bergen und dem Meer, in einem imag­inären Mit­te­lal­ter. Es begin­nt an einem bit­terkalten Win­tertag, als eine Gruppe von Adeli­gen zum Jagen aus­re­it­et… aber ich ver­rate noch nichts.

Das Buch hat viele hun­dert Seit­en und ist erst vor etwa fünf Jahren fer­tig gewor­den. Na ja, schon so etwas wie ein Lebenswerk. Es gibt Intri­gen, Mord und Ver­rat, es gibt Krieg und Feuer und edle Helden, es gibt hin­reis­send schöne Frauen und wahre Liebe, und es gibt Magie und Loy­al­ität. Es gibt keine Uhren und keine Elek­triz­ität. Mehr wird nicht ver­rat­en. Ich weiss noch nicht, ob ich es schaffe das Buch mal am Com­put­er zu erfassen, es sind drei dicke Ord­ner voll hand­schriftlich, was ver­mut­lich nur ich lesen kann. Aber es ist nicht ver­al­tet, die Geschichte trägt über drei Gen­er­a­tio­nen, und beson­ders mit dem Ende, das ich nach fast 40 Jahren gefun­den habe, bin ich sehr zufrieden. Nicht schlecht für einen so alten Schmök­er 🙂

Damit ist mein früher Wun­sch, ich möchte mal SF&F (Sci­ence Fic­tion & Fan­ta­sy) Autorin wer­den, auch erfüllt. Ich muss noch nicht mal mein Buch neu erfind­en, ich kann das nehmen was schon da ist. Mal sehen was daraus wird!

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