{"id":95,"date":"2018-11-19T17:59:38","date_gmt":"2018-11-19T16:59:38","guid":{"rendered":"https:\/\/evileu.de\/praxis-dr-inselfisch\/?p=95"},"modified":"2018-11-19T17:59:38","modified_gmt":"2018-11-19T16:59:38","slug":"mein-kleines-museum-der-zeitgeschichte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/evileu.de\/praxis-dr-inselfisch\/2018\/11\/19\/mein-kleines-museum-der-zeitgeschichte\/","title":{"rendered":"Mein kleines Museum der Zeitgeschichte"},"content":{"rendered":"<p>Als ich ein Teenag\u00ader war, hat\u00adte ich eine sehr klare Vorstel\u00adlung davon, was ich ein\u00admal wer\u00adden wollte: Restau\u00adra\u00adtorin. Ich wollte eine Lehre als Kirchen\u00adma\u00adlerin, Ver\u00adgolderin oder M\u00f6belschreiner\u00adin machen, und dann die staatliche Aus\u00adbil\u00addung zur Restau\u00adra\u00adtorin drauf\u00adset\u00adzen. Es hat nicht sollen sein, meine Eltern bestanden darauf dass ich das Abitur mache und studiere, und let\u00adz\u00adtendlich hat mir das auch nicht geschadet, denn so bin ich in der IT-Branche gelandet und habe einen Beruf gefun\u00adden, den ich auch sehr liebe. Aber der Traum von der Restau\u00adra\u00adtorin ist mir immer geblieben, und eins mein\u00ader lieb\u00adsten Hob\u00adbies ist es, alte Sachen zu restau\u00adri\u00aderen und ihnen einen neuen Platz und neuen Glanz zu geben.<\/p>\n<p>Ich habe in mein\u00ader schnuck\u00ade\u00adli\u00adgen kleinen Bude ganz viele Erb\u00adst\u00fccke ste\u00adhen, die ich eigen\u00adh\u00e4ndig vor dem Sper\u00adrm\u00fcll gerettet habe, und die ich eigen\u00adh\u00e4ndig wieder auf Hochglanz gebracht habe. Der Schreibtisch, auf dem mein Lap\u00adtop ste\u00adht, ist ein Schreib\u00admaschi\u00adnen\u00adtisch aus den 40er Jahren mit zauber\u00adhaftem Nu\u00dfbaum-Spiegel\u00adfurnier, den ich vor gut 20 Jahren aus ein\u00ader Woh\u00adnungsaufl\u00f6\u00adsung gerettet habe. Der ele\u00adgant geschwun\u00adgene Stuhl auf dem ich sitze stammt von meinen Gro\u00dfel\u00adtern v\u00e4ter\u00adlich\u00ader\u00adseits und ist min\u00addestens 80 Jahre alt. Im Win\u00adter\u00adgarten draussen ste\u00adht die Armeetruhe meines All\u00adg\u00e4uer Opas, mit der ist er durch den ersten Weltkrieg gezo\u00adgen, da sind meine Motor\u00adrad\u00adklam\u00adot\u00adten drin. Daneben ste\u00adht die kleinere Holztruhe, die mir mein ander\u00ader Opa f\u00fcr mein Jugendz\u00adim\u00admer geschrein\u00adert hat, in der hat meine Schallplat\u00adten\u00adsamm\u00adlung ihren Platz gefun\u00adden. Der dre\u00adit\u00fcrige sch\u00f6n furnierte Klei\u00adder\u00adschrank in meinem Schlafz\u00adim\u00admer ist auch schon min\u00addestens 60 Jahre alt, aber so sta\u00adbil gefer\u00adtigt und mit so hochw\u00ader\u00adti\u00adgen Mon\u00adtageschl\u00f6ssern verse\u00adhen, dass da nichts wack\u00adelt und sich nichts ver\u00adzo\u00adgen hat in all den Jahren, der ste\u00adht da wie neu. Vorne am Ein\u00adgang ste\u00adht eine zier\u00adliche Frisierkom\u00admode aus der Nier\u00aden\u00adtisch-\u00c4ra, in deren Spiegel gucke ich mich jedes\u00admal an, bevor ich aus dem Haus gehe.<\/p>\n<p>Kom\u00admen wir langsam zur Neuzeit: meine Ord\u00adner ste\u00adhen in den sel\u00adben Ikea Ivar-Regalen, die ich schon in meinem Jugendz\u00adim\u00admer in den 70er Jahren hat\u00adte, und die Stehlampe an meinem (eben\u00adfalls selb\u00adst ren\u00adovierten) Wohnz\u00adim\u00admer\u00adtisch stammt auch aus dieser Zeit. Das h\u00fcb\u00adsche K\u00fcchen\u00adb\u00fcf\u00adfet aus mas\u00adsivem Kiefern\u00adholz, das so gut zu den Ikea-Regalen passt, habe ich von mein\u00ader Mama geerbt, die hat\u00adte es auch schon min\u00addestens 20 Jahre. Mein guter Dual-Plat\u00adten\u00adspiel\u00ader ist so alt wie meine Schallplat\u00adten, also etwa aus den 80er\/90er Jahren, und funk\u00adtion\u00adiert noch ein\u00adwand\u00adfrei.<\/p>\n<p>Auch in mein\u00ader K\u00fcche tum\u00admeln sich die Antiq\u00adui\u00adt\u00e4ten, da ste\u00adht die orange Kn\u00f6delsch\u00fcs\u00adsel von der Oma neben dem Elek\u00adtro\u00adgrill aus den 60er Jahren, in dem ich so gerne meine Grill\u00adspezial\u00adit\u00e4ten zubere\u00adite. Der Fleis\u00adchwolf \u2014 Qual\u00adit\u00e4t von Rit\u00adter-Werke \u2014 stammt auch von der Oma, der kriegt immer wieder mal eine neues Mess\u00ader und funk\u00adtion\u00adiert 1a. Die Nudel\u00admas\u00adchine hat mir die Sig\u00adno\u00adra Fani\u00adni aus Verona geschenkt, bei der war ich in den 70er Jahren auf Sch\u00fcler\u00adaus\u00adtausch zu Gast. Mein ele\u00adgantes Tee- und Kaffe\u00adser\u00advice aus cre\u00adme\u00adfar\u00adben\u00adem Porzel\u00adlan mit Gol\u00addrand habe ich von der Mama eines Kom\u00admili\u00adto\u00adnen geerbt, das war in den 80er Jahren, und da war das Ser\u00advice schon alt, das ist eine echte Antiq\u00adui\u00adt\u00e4t.<\/p>\n<p>Meine \u00e4lteste Strick\u00admas\u00adchine (ich habe 3) und meine wun\u00adder\u00adbare N\u00e4h\u00admas\u00adchine sind unge\u00adf\u00e4hr gle\u00adich alt, so ca. 40 Jahre. Bei\u00adde sind fein\u00admech\u00ada\u00adnis\u00adche Meis\u00adter\u00adw\u00aderke und funk\u00adtion\u00adieren Dank guter Wartung und Pflege wesentlich bess\u00ader als alle mod\u00ader\u00adnen Maschi\u00adnen, die ich bish\u00ader aus\u00adpro\u00adbiert habe. Meine grosse Schnei\u00adder\u00adschere hab ich vom Opa geerbt, und das Nadelm\u00e4p\u00adpchen mit der zauber\u00adhaften Petit-Point-Stick\u00aderei von der Oma. Meinen Schmuck bewahre ich in mehreren kleinen, kun\u00adstvoll mit Intar\u00adsien verzierten Holzschat\u00adullen auf, die meine Omas schon von ihren Omas geerbt haben, das sind Jugend\u00adstil\u00adw\u00aderke und mit\u00adtler\u00adweile echt wertvoll, aber ich geb sie nicht her.<\/p>\n<p>Ich k\u00f6n\u00adnte noch lange so weit\u00ader\u00aderz\u00e4hlen, in meinem Haushalt tum\u00admeln sich wirk\u00adlich die Antiq\u00adui\u00adt\u00e4ten allerorten und wer\u00adden nach wie vor ver\u00adwen\u00addet, ein\u00adfach weil sie zweck\u00adm\u00e4s\u00adsig, halt\u00adbar und zuver\u00adl\u00e4s\u00adsig sind und ihre Auf\u00adgaben bestens erf\u00fcllen. Das enthebt mich der Notwendigkeit, mir einen Haufen Zeug neu zu kaufen, weil die alten Ger\u00e4te auf Dauer\u00adhaftigkeit und Lan\u00adglebigkeit gebaut sind, und bei guter Pflege ihren Dienst tun wer\u00adden, bis ich sie eines Tages mal weit\u00ader vererbe. Bis dahin lebe ich mit dem ganzen \u201cOidn Graf\u00adfel\u201d und liebe es, wenn mir meine alten Sachen ihre t\u00e4glichen Geschicht\u00aden von damals erz\u00e4hlen. Von unseren Eltern, und Omas und Opas und Urgro\u00dfel\u00adtern, die ganze Fam\u00adi\u00adlie hat sich bei mir ver\u00adsam\u00admelt und leis\u00adtet mir im t\u00e4glichen Leben Gesellschaft. Ich bin gerne Kura\u00adtorin in meinem kleinen Muse\u00adum der Zeit\u00adgeschichte, und die Leitung der Restau\u00adra\u00adtoren\u00adwerk\u00adstatt habe ich oben\u00addrein. So habe ich mir den Beruf\u00adswun\u00adsch mein\u00ader Jugend let\u00adz\u00adtendlich doch noch erf\u00fcllt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als ich ein Teenag\u00ader war, hat\u00adte ich eine sehr klare Vorstel\u00adlung davon, was ich ein\u00admal wer\u00adden wollte: Restau\u00adra\u00adtorin. Ich wollte eine Lehre als Kirchen\u00adma\u00adlerin, Ver\u00adgolderin oder M\u00f6belschreiner\u00adin machen, und dann die staatliche Aus\u00adbil\u00addung zur Restau\u00adra\u00adtorin drauf\u00adset\u00adzen. 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