{"id":934,"date":"2016-12-21T17:17:09","date_gmt":"2016-12-21T16:17:09","guid":{"rendered":"http:\/\/evileu.de\/inselfisch-kochbuch\/?p=934"},"modified":"2024-01-29T08:55:09","modified_gmt":"2024-01-29T07:55:09","slug":"unsere-traditionellen-weihnachtsgerichte-eine-lange-geschichte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/evileu.de\/inselfisch-kochbuch\/2016\/12\/21\/unsere-traditionellen-weihnachtsgerichte-eine-lange-geschichte\/","title":{"rendered":"Unsere traditionellen Weihnachtsgerichte (eine lange Geschichte)"},"content":{"rendered":"<h2>Einleitung<\/h2>\n<p>Bei uns Zuhause wurden Weihnachten immer ganz bestimmte Spezialit\u00e4ten gekocht und gegessen, da gab es &#8222;heilige&#8220; Traditionen, die eingehalten werden mu\u00dften, sonst war das Weihnachtsessen kein Weihnachtsessen. Das war jedes Jahr gleich, und alle waren gl\u00fccklich und zufrieden, weil f\u00fcr jeden ein Lieblingsessen dabei war.<\/p>\n<p>F\u00fcr die K\u00f6chinnen &#8211; Mami, Oma und ich teilten uns die Arbeit &#8211; war es auch sehr angenehm, weil jede einfach das zubereitete, was sie am besten konnte, und so garantiert kein Feiertags-Stre\u00df aufkam. Ich erz\u00e4hle hier einfach mal der Reihe nach, was alles gekocht wurde, die Rezepte liefer ich dann nach und nach.<\/p>\n<h2>Heiligabend<\/h2>\n<h3>Der Nachmittagsimbi\u00df<\/h3>\n<p>Am Heiligabend Nachmittag hatte ich schon als ganz junges M\u00e4dchen die sehr ehrenvolle Aufgabe, den Christbaum zu schm\u00fccken. Ausser mir durfte dann niemand ins Wohnzimmer, das war bis zur Bescherung am Abend Off Limits, Zutritt strengstens verboten. Damit ich bei dieser Arbeit nicht vor lauter Hunger schw\u00e4chelte, durfte ich schon vorher den leckeren <a href=\"http:\/\/evileu.de\/inselfisch-kochbuch\/2016\/12\/21\/nudelsalat-mit-krabben-und-chicoree\/\">Nudelsalat mit Krabben und Chicoree<\/a> verkosten, den Mami und ich immer schon am 23. vorbereiteten, und der Rest der Familie leistete mir dabei Gesellschaft. Dazu gab es ein frisches Toastbrot, und als ich alt genug war, auch ein Gl\u00e4schen Nymphenburg Sekt. So gest\u00e4rkt machte ich mich dann frisch ans Werk, und richtete den Christbaum und das ganze Wohnzimmer f\u00fcr den festlichen Abend.<\/p>\n<h3>Das Abendessen: Gansjung<\/h3>\n<p>So gegen 18 Uhr war ich dann mit dem Christbaum meistens fertig, und inzwischen waren auch Oma und Opa eingetroffen, die den heiligen Abend immer bei uns verbrachten. Oma brachte immer einen gro\u00dfen Topf k\u00f6stliches Gansjung mit und hatte auch den Teig f\u00fcr die <a href=\"http:\/\/evileu.de\/inselfisch-kochbuch\/2016\/11\/23\/die-echten-oma-semmelknoedel-grundrezept-semmelnknoedeln\/\">Semmelkn\u00f6del<\/a> dazu schon fix und fertig vorbereitet.<\/p>\n<p>Ach so, ich sollte wohl erkl\u00e4ren: ein Gansjung (auch G\u00e4nseklein oder G\u00e4nse-Wei\u00dfsauer genannt) ist ein Ragout aus den weniger edlen Teilen der Gans, die man vom grossen Festtagsbraten vorab abzweigt. Da kommen hinein: die Fl\u00fcgel, die St\u00e4nder, der Kragen, Magen, Leber und Herz der Gans, und weil das ein bi\u00dfchen wenig Fleisch f\u00fcr viele Leute ist, hat Oma auch immer noch ein paar H\u00fchnerleberchen mit hineingetan. Das Ragout wird mit einer Beize zubereitet, die ganz \u00e4hnlich wie Sauerbraten gew\u00fcrzt wird, und die Hauptsache daran ist die k\u00f6stliche Sauce, die man mit seinen Semmelkn\u00f6deln so gut aufditschen kann.<\/p>\n<p>Das Gansjung also gab es immer vor der Bescherung, und erst wenn alle aufgegessen hatten und die K\u00fcche wieder sauber aufger\u00e4umt war, setzten wir uns alle zusammen und warteten aufs Christkind. Dabei wurden Lieder gesungen, die der Opa auf der Gitarre und der Papi auf der Zither begleiteten, und ich durfte aus der &#8222;Heiligen Nacht&#8220; von Ludwig Thoma vorlesen, oder auch aus den &#8222;Inwendigen Geschichten&#8220; von Karl Heinrich Waggerl. Irgendwann l\u00e4utete dann im Wohnzimmer das Bescherungsgl\u00f6ckerl, und dann durften wir endlich hinein, den Christbaum mit allen brennenden Kerzen\u00a0 und Sterndlwerfern bewundern und die Geschenke auspacken.<\/p>\n<h3>Nach der Bescherung<\/h3>\n<p>Traditionell wurde am Heiligen Abend f\u00fcr die Erwachsenen der das ganze Jahr \u00fcber sorgf\u00e4ltig gepflegte Rumtopf (<a href=\"http:\/\/pott.de\/drinks-und-rezepte\/sommerdrinks\/#raffinierter-rumtopf\">nach dem Traditionsrezept von Pott<\/a>) aufgemacht, den konnte man sich mit ein bi\u00dfchen Sekt aufgie\u00dfen, oder man a\u00df ihn mit Vanilleeeis. F\u00fcr die Kinder gabs dann blo\u00df Vanilleeis nat\u00fcrlich, ohne Rumtopf!<\/p>\n<p>Damit der Rumtopf\u00a0 nicht gar so &#8222;reinhaute&#8220; gab es so gegen 21 Uhr immer noch ein kleines Abendb\u00fcffet mit dem restlichen <a href=\"http:\/\/evileu.de\/inselfisch-kochbuch\/2016\/12\/21\/nudelsalat-mit-krabben-und-chicoree\/\">Nudelsalat mit Krabben und Chicoree<\/a> und ein paar anderen Spezialit\u00e4ten, einem <a href=\"http:\/\/evileu.de\/inselfisch-kochbuch\/2016\/12\/23\/italienischer-salat-fuer-bueffet-nostalgiker\/\">klassischen Italienischen Salat<\/a> etwa, oder auch Spargelr\u00f6llchen mit Schinken. Das waren jetzt eher so &#8222;Magentratzerl&#8220; und kleine Portionen, aber weil es so feine Leckereien waren, langte da jeder gern nochmal hin.<\/p>\n<p>Wir Kinder durften am Heiligabend immer so lang aufbleiben wie wir wollten, und meistens ging die ganze Familie sp\u00e4ter am Abend noch in die Christmette. Da waren wir meistens erst nach Mitternacht wieder da und durchgefroren &#8211; in die Kirche war schon ein weiter Spaziergang &#8211; und als Mitternachtsimbi\u00df gab es dann immer noch eine <a href=\"http:\/\/evileu.de\/inselfisch-kochbuch\/2016\/12\/22\/gulaschsuppe-nach-hammerer-art\/\">feurige Gulaschsuppe<\/a> zum wieder Aufw\u00e4rmen, die hatten die Mami und ich auch am Tag vor Heilig Abend schon vorbereitet.<\/p>\n<h2>Der erste Feiertag: Die traditionelle Weihnachtsgans, nichts anderes!<\/h2>\n<h3>Die Vorbereitungsarbeiten<\/h3>\n<p>Am ersten Feiertag traf sich die ganze Familie zum Mittagessen bei Oma und Opa, und Oma machte immer ihren traditionellen grossen G\u00e4nsebraten. Die Gans daf\u00fcr hatte der Opa schon Tage vor dem Fest mit Sorgfalt und Bedacht ausgesucht, ein sch\u00f6ner grosser Vogel mu\u00dfte das sein, sch\u00f6n fleischig und mit dicken Br\u00fcsteln, damit das Fleisch auch f\u00fcr alle hungrigen Leute reichte. Die Oma stand dann schon in der Fr\u00fch in der K\u00fcche und richtete alles her, schlie\u00dflich braucht so eine gro\u00dfe Gans schon ihre 4 Stunden, da mu\u00dfte sie fr\u00fch aufstehen. Ich war dann auch immer schon da zum Helfen, das war f\u00fcr mich Ehrensache, da bin ich dann schon fr\u00fch um 8 mit der Trambahn zur Oma gefahren, der Rest der Familie kam dann erst Mittags nach.<\/p>\n<p>Ich half der Oma beim Blaukraut-Abschmecken und beim Kn\u00f6delmachen, denn nat\u00fcrlich nahm Oma kein Blaukraut aus der Dose und keine Kn\u00f6del von Pfanni, nein, da war alles hausgemacht. Das <a href=\"http:\/\/evileu.de\/inselfisch-kochbuch\/2016\/11\/21\/blaukraut-a-la-oma\/\">Blaukraut <\/a>w\u00fcrzte Oma immer sehr fein und tat auch Apfel- oder Ananasst\u00fcckchen mit hinein, das wurde ganz besonders lecker. Die Kartoffelkn\u00f6del wurden immer aus frisch geriebenen Kartoffeln als Reiberkn\u00f6del zubereitet, was anderes kam gar nicht in Frage.<\/p>\n<h3>Das Festmahl<\/h3>\n<p>So Mittags gegen 13 Uhr war der gro\u00dfe Festtagsbraten dann fertig, und der Opa wurde in die K\u00fcche gerufen, er hatte die ehrenvolle Aufgabe, die Sauce abzuschmecken, was er immer \u00fcberaus sorgf\u00e4ltig tat. Wir K\u00f6chinnen hatten ja vor lauter Herrichten und Verkosten schon gar keinen richtigen Geschmack mehr auf der Zunge!<\/p>\n<p>Wenn der Opa dann die Sauce abgesegnet hatte, ging der Festschmaus los, und die Gans wurde jedes Jahr bis auf das letzte Fitzelchen vertilgt. Es blieben auch nie Kn\u00f6del \u00fcbrig, weil jeder im Zweifelsfall noch einmal Nachschlag Kn\u00f6del mit So\u00df&#8216; nahm. Oh, ich h\u00e4tt beinahe vergessen: die Preiselbeeren! Das waren selbst gepfl\u00fcckte und selbst eingekochte Wildpreiselbeeren aus dem Bayrischen Wald, die wurden jedes Jahr extra f\u00fcr Weihnachten beiseite gestellt, und zwar nicht zu knapp. Preiselbeeren durfte sich jeder nehmen soviel er wollte, und wir wollten jede Menge, denn die munden k\u00f6stlich zur Gans!<\/p>\n<p>Da man heute nur selten so viele Leute an einen Tisch kriegt, da\u00df sich eine ganze Gans lohnt, habe ich hier das <a href=\"http:\/\/evileu.de\/inselfisch-kochbuch\/2016\/12\/22\/weihnachtsessen-fuer-zwei-mit-gaensekeulen\/\">Rezept f\u00fcr G\u00e4nsekeulen f\u00fcr zwei Personen<\/a> aufgeschrieben, genau so wie die Oma ihre ganze Gans gew\u00fcrzt und zubereitet hat. Das wird ebenfalls fein, und man bekommt auch mit den Keulchen eine k\u00f6stliche Sauce hin!<\/p>\n<h3>Das Dessert<\/h3>\n<p>Nach dem Essen halfen dann alle zusammen mit dem Aufr\u00e4umen und Geschirrsp\u00fclen (Oma hatte keine Sp\u00fclmaschine), und wenn dann wieder alles ordentlich war, gab es noch ein besonderes Dessert: <a href=\"http:\/\/evileu.de\/inselfisch-kochbuch\/2016\/12\/21\/schlesische-mohnsemmel-nostalgie-pur-zum-dessert\/\">Schlesische Mohnsemmel.<\/a> Das ist wie Mohnkuchen ohne Kuchenteig, einfach nur eine leckere Mohncreme, die man sich nach Geschmack mit ges\u00fc\u00dfter Milch oder Vanillesauce \u00fcbergo\u00df und mit Behagen ausl\u00f6ffelte. Die Mohnsemmel waren dem Opa sein Leib- und Magengericht, die hatte er aus seiner Schlesischen Heimat mitgebracht, so kam dieses etwas ausgefallene Dessert in unsere bayrische Familientradition.<\/p>\n<p>Nachmittags gab es dann noch Kaffee oder Tee, und wer mochte a\u00df noch ein paar Platzerl, aber eigentlich brauchte an diesem Tag niemand mehr etwas zu Essen, alle waren satt und zufrieden vom G\u00e4nsebraten. Deswegen gabs Abends auch immer nur noch kalte Platte mit Brot, das reichte v\u00f6llig.<\/p>\n<h2>Der zweite Feiertag<\/h2>\n<p>Da gab es das gro\u00dfe Restevertilgen! Es war meistens noch Gulaschsuppe da und etwas Nudelsalat und Italienischer Salat vom Buffet, da suchte sich jeder heraus, was ihm am meisten zusagte, und gro\u00df gekocht wurde gar nicht. H\u00f6chstens da\u00df die Oma noch einen <a href=\"http:\/\/evileu.de\/inselfisch-kochbuch\/2016\/12\/22\/fruchtiger-wintersalat-a-la-oma\/\">frischen Wintersalat <\/a>machte, in den kam gr\u00fcner Salat, Paprika, Gurke, knackiger Chinakohl und etwas Chicoree, und als besonderer Clou St\u00fcckchen von Apfel und Mandarine. Den assen besonders wir Kinder sehr gern, weil er so sch\u00f6n fruchtig schmeckte. Aber mehr brauchte es echt nicht, wir hatten ja die letzten Tage geschlemmt wie die Weltmeister!<\/p>\n<h2>Was wir heute noch so machen<\/h2>\n<p>Ich mache mir jedes Jahr zum Heiligabend den Nudelsalat mit Chicoree, den liebe ich doch sehr, mit einem frischen Toastbrot und einem Gl\u00e4schen Nymphenburg gibts den zum fr\u00fchen Abendessen, wenn ich den Christbaum fertig geschm\u00fcckt habe.<\/p>\n<p>Den G\u00e4nsebraten hat inzwischen (mit gro\u00dfem Erfolg!) meine j\u00fcngere Schwester \u00fcbernommen, den haben wir aber auf den zweiten Feiertag verlegt, damit man zwischendurch mal eine Pause von der Schlemmerei hat. Dazu gibt es wie immer Blaukraut, Preiselbeeren und Kartoffelkn\u00f6del, und die ganze Familie versammelt sich daf\u00fcr jedes Jahr an Schwesterchens Tafel, da halten wir alle auf Tradition.<\/p>\n<p>Als Dessert mache ich Opas geliebte Mohnsemmel, wenn ich denn den gemahlenen Mohn daf\u00fcr vor Weihnachten noch bekomme, was leider nicht immer der Fall ist. Ist aber dann auch nicht schlimm, meine Schwester br\u00e4t n\u00e4mlich immer zwei G\u00e4nse, und da fallen die Fleischportionen so reichlich aus, da\u00df man ein Dessert nicht wirklich vermi\u00dft!<\/p>\n<p>So feiern wir Weihnachten immer noch ganz traditonell, und alle freuen sich jedes Jahr wieder auf das leckere Essen und das gem\u00fctliche Beisammensein mit der ganzen Familie!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einleitung Bei uns Zuhause wurden Weihnachten immer ganz bestimmte Spezialit\u00e4ten gekocht und gegessen, da gab es &#8222;heilige&#8220; Traditionen, die eingehalten werden mu\u00dften, sonst war das Weihnachtsessen kein Weihnachtsessen. Das war jedes Jahr gleich, und alle waren gl\u00fccklich und zufrieden, weil f\u00fcr jeden ein Lieblingsessen dabei war. 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