Wenns blinkt und zoomt und zappelt: Animationen auf Firmen-Webseiten

Seit einigen Jahren ist die ohnehin schon unüberschaubare Bilderflut im Internet noch um eine Dimension unübersichtlicher geworden: die bewegten Bilder, alle unter dem Oberbegriff Animationen zusammengefasst. Da gibt es Diashows und Videos, Überblendungen und Jalousie-Effekte, Zoom-In und Zoom-Out und was nicht noch alles, Hauptsache es bewegt sich und zieht die Aufmerksamkeit der Besucher auf sich. Das hatte einen gewissen Statuswert, als bewegte Bilder im Web noch teuer und aufwendig in der Herstellung waren, aber heute kann jeder Hobby-Bilderbastler seine eigenen Animationen kreieren und ins Web stellen, das hat definitiv etwas von Verramschung an sich.

Meistens ist es eh nur Werbung

Mir gehen animierte Bilder eher auf den Wecker, als dass sie mich zum Bleiben und genauer Hinsehen veranlassen.  Ich suche auf Webseiten meistens  Informationen zu einem bestimmten fachlichen Thema, und wenn es da erstmal blinkt und flimmert, bin ich abgelenkt und irritiert, und klicke im Zweifelsfall ganz schnell wieder weg, weil es eh bloß wieder Werbung ist, die mich da so nervtötend anmacht.

Für sowas gibt es Ad-Blocker

Der Informationswert der Animationen geht in den meisten Fällen sowieso gegen Null, sie sollen wirklich nur die Aufmerksamkeit des Besuchers erregen und irgendwas verkaufen, das mit dem gesuchten Thema in den meisten Fällen rein gar nichts zu tun hat. Deswegen verwende ich in meinem Firefox auch einen sehr effektiven Ad-Blocker, und bleibe in den meisten Fällen von Blinkerbildchen verschont, aus die Maus. Webseiten, die von mir die Deaktivierung meines Ad-Blockers verlangen, haben Pech gehabt, die sehen mich nicht wieder.

Auch für Animationen gilt: Qualität gibts nur vom Profi

Die richtig gut gemachten Animationen, wie man sie z.B. auf den Werbeseiten richtig grosser Firmen sieht (BMW hat da tolle Sachen)  werden aufwendig von Profis produziert und kosten dementsprechend auch echt viel Geld. Die kann man sich dann schon mal anschauen, das sind halt gut gemachte Werbefilme, sowas lasse ich mir gerade noch eingehen.

Für den kleinen und mittleren Betrieb aber gilt, ähnlich wie für den Einsatz von Fotos: selbst Gebasteltes wirkt immer dilettantisch. Eine Diashow ist nur so gut wie die Fotos, die sie zeigt, und da kann man Amateurschnappschüsse aus der Digicam oder vom Handy einfach nicht für eine Firmenwebseite verwenden. Für eine gut gemachte Animation müssen sie also Geld hinlegen und einen Profi beauftragen, und selbst dann ist noch die Frage: brauchen wir das wirklich? Oder tut es auch eine Extra-Seite mit einer schön aufgemachten Fotogalerie, die sich der Besucher in aller Ruhe ansehen kann?

Ich möchte an dieser Stelle ein Argument in die Waagschale werfen, das ein ganz anderes Thema in die Diskussion einbringt:

Barrierefrei und Animationen – das geht gar nicht!

Oder nur sehr eingeschränkt, um es genau zu sagen. Sie müssen sich das mal so vorstellen: wenn sie z.B. als Sehbehinderter auf einen Screenreader angewiesen sind, können sie mit Bildern nur anhand der hoffentlich vom Webdesigner gut gepflegten Alt-Texte etwas anfangen. Der Alt-Text oder auch Alternativtext ist nämlich genau dafür da, Informationen über das jeweilige Bild zu liefern, wenn ein Benutzer es nicht sehen kann.

Wenn jetzt in einer Animation z.B. zehn oder zwanzig Bilder durchlaufen, muß der Screenreader zehn oder zwanzig mal den Alt-Text zu jedem Bild vorlesen, so er denn vorhanden ist. Meistens wird bei der Erstellung von bewegten Animationen nämlich glatt vergessen, zu jedem Bild den Alt-Text vernünftig einzugeben!

Typischerweise heißt das dann so ähnlich wie  picture001, picture002… picture100, einfach weil der Animationsprogrammierer geschlampt hat, und damit hat der Alt-Text keinerlei Aussagekraft für den Screenreader-Benutzer. Ganz davon abgesehen, dass es ewig dauert, bis man mit dem Screenreader durch alle Bilder durch ist.

Also gar keine Animationen auf barrierefreien Webseiten?

Habe ich die Problematik klar dargestellt? Ich hoffe schon, denn das Thema ist mir sehr wichtig. Mir hat der Fachmann von der Pfennigparade, mit dem ich wegen der barrierefreien Gestaltung meines Inselfisch -Kochbuchs zusammengearbeitet habe, die Sache so auf den Punkt gebracht:

Animationen auf barrierefreien Webseiten gehen nur, wenn sie sich nach kurzer Zeit (wenigen Sekunden) selbst abschalten oder vom Besucher direkt abgeschaltet werden können, damit eine störungsfreie Arbeit mit dem Screenreader gewährleistet ist.

Na, das ist doch eine klare Aussage.

Wie habe ich diese Anforderungen umgesetzt?

Wissen sie, was ich gemacht habe? Leichten Herzens sämtliche Diashows und Blinkerbildchen und Überblendungen und was nicht noch alles aus meinen privaten Webseiten rausgeschmissen habe ich. Mich stattdessen lieber auf selbstgemalte Illustrationen und ausgesucht schöne Fotos konzentriert, und auch ein bißchen mehr Aufmerksamkeit auf gute Alt-Texte gelegt.

Ich habe auch wesentlich mehr Zeit in die sorgfältige Bearbeitung der Bilder für meine Webseiten investiert, in die Wahl des richtigen Bildausschnitts, in die bildschirmgerechte Farbdarstellung, Kontrastverbesserung, Weißabgleich und dergleichen professionelle Tricks mehr, das kann man alles prima mit GIMP machen, der steht dem Photoshop da in nichts nach.

Und soll ich ihnen was sagen? Meine Seiten sind viel schöner geworden, ruhiger, gepflegter, dem Auge einfach angenehmer. Ich vermisse die bewegten Bildchen null die Bohne, und meine Besucher auch nicht, sonst hätte ich nicht steil steigende Besucherzahlen, seit das Inselfisch-Kochbuch barrierefrei geworden ist und komplett auf Animationen verzichtet.

Das ist vielleicht ein Denkanstoss für sie, wenn sie am Thema Barrierefreiheit interessiert sind.

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