Die Bilderflut im Web – wer guckt denn da noch hin?

Es geht auch ohne 1000 Bilder

Eine der schönsten Webseiten die ich kenne, die einer von mir sehr hochgeschätzten Ärztin, kommt mit einem einzigen Bild aus. Es ist ein Portraitfoto der Dame, das ein professioneller Fotograf gemacht hat, und beeindruckt durch die sympathische und sehr persönliche Wirkung. Mehr Bilder gibt es auf dieser Webseite nicht, nix, kein einziges weiteres Foto, keine Diashow oder Galerie, nicht mal ein Logo oder sowas. Nur ein Bild.

Um ein wenig in der SEO-Sprache zu bleiben: es hat eine Corporate Identity, einen distinguierten Look&Feel, und es hat einen hohen Wiedererkennungswert. Die Webseite von Fr. Dr. B. merkt man sich für immer, wenn man sie einmal gesehen hat. Das hat ganz große Klasse, und davon kann man Einiges lernen.

Nicht jeder ist ein Model

Bevor sie ein Foto von sich auf ihre Webseite stellen, ist ein kritischer Blick in den Spiegel angesagt. Wollen sie wirklich, dass alle Welt und Hinz und Kunz ihr privates Gesicht sieht? Ist das wirklich werbewirksam für ihre Firma, oder lassen sie es doch lieber bleiben und veröffentlichen lieber ihr Firmenlogo mit ihrem Namen, und gut ist’s?

Fr. Dr. B. ist eine sehr gutaussehende Dame, da ist es eben schon positive Werbung für sie, dass man ihr Gesicht in groß auf der Webseite sieht. Wenn sie jetzt aber ganz ehrlich zugeben müssen, dass sie eben keine Werbeschönheit sind, lassen wir das lieber mit dem Bild.

Oder wenn es unbedingt sein muss, dann nimmt man keinesfalls einen privaten Schnappschuss, dann geht man zum Fotografen und lässt ein professionelles Portrait machen. Alles andere ist dilettantisch und für einen seriösen Webauftritt ihrer Firma völlig ungeeignet.

Für wen ist ein professionelles Portrait richtig?

Für alle Berufe, in denen ein persönliches Vertrauensverhältnis zum Kunden wichtig ist. Ärzte, Rechtsanwälte, Steuerberater, Therapeuten und so weiter, sie alle können ihre Webseite mit einem professionell gemachten und sorgfältig ausgesuchten Portrait aufwerten.  Wie mein Autoverkäufer aussieht ist mir dagegen herzhaft egal, und auch das Portrait meines Installateurs interessiert mich nur mäßig.

Wo Bilder willkommen sind: Qualität statt Quantität

Weniger ist oft mehr, und ich habe schon viele schöne Webseiten designt, die mit einer Handvoll Bilder auskamen und trotzdem ansprechend, lebendig und unverwechselbar wirkten.

Ich nehme mal nur ein Beispiel heraus:
Für einen Gasthof nimmt man ein schönes Bild des Gebäudes und dann noch zwei, drei Fotos von den Innenräumen. Für einen Landgasthof bietet es sich auch noch an, einige ausgesuchte Bilder von der näheren Umgebung, vom Dorf und von der Landschaft mit hereinzunehmen. Vielleicht dazu noch ein ansprechendes Foto von einer besonderen Tischdeko oder einem festlichen Büffet, und dann ist es auch schon gut.

Man könnte jetzt noch auf die Idee kommen, die servierten Gerichte fotografieren zu wollen, aber auch das überläßt man im Zweifelsfall einem professionellen Food-Fotografen, wenn es denn unbedingt sein muß. Das Schnitzel auf dem Teller sieht sonst auf dem Foto lange nicht so gut aus, wie es dann in echt schmeckt!

Wenn man unbedingt noch mehr Bilder auf der Seite haben will, kann man immer noch die hoffentlich von einem guten Grafiker gestaltete Speisekarte mit hereinnehmen, das macht sich immer gut.

Faustregel: ein gutes Dutzend Bilder reicht

Aber dann machen wir mal einen Punkt! Mehr als zehn, höchstens zwanzig handverlesene Bilder auf einer kleinen Webseite wie der für den Gasthof Jägerwirt sind Overkill, das schaut kein Mensch an.

Und was ist mit meinen Produktfotos?

Wenn sie einen Laden haben, in dem auch etwas verkauft wird, möchten sie ihre Produkte wahrscheinlich doch im Internet sehen. Aber auch hier gilt: bitte keine dilettantischen Schnappschüsse, die wirken immer billig und unprofessionell!

Nicht umsonst sind ganze Heerscharen von Werbefotografen damit beschäftigt, die tollsten und verkaufsträchtigsten Fotos aller möglichen Produkte herzustellen, da lebt eine ganze Industrie davon.  Also: entweder sie beauftragen einen Fotografen, der ihr Sortiment gegen teures Geld werbewirksam ablichtet, oder sie greifen auf fertige professionelle Bilder zurück.

Dafür gibt es im Internet mehr als genügend Anbieter, Fotolia, Clipdealer, iStock und wie sie alle heissen. Da gibt es für nahezu jeden Werbezweck professionell gemacht Bilder zum Herunterladen, das ist auf jeden Fall eine gute Alternative und muss nicht teuer sein Zum Teil ist das Bildersortiment auch ganz kostenfrei, man muss sich nur als Kunde registrieren. Schauen sie sich im Web mal ein bißchen um, das Angebot an lizenzfreien Fotos ist schier endlos, da läßt sich wirklich für jeden Zweck etwas finden.

Wer keine Fotos braucht

Handwerksbetriebe sind so ein typischer Fall, wo Fotos eigentlich total fehl am Platz sind. Der Klempner würde nie auf die Idee kommen, ein Foto von einem verstopften Abfluß einstellen zu wollen, und der Automechaniker legt auch keinen Wert auf ein Bild vom Ölwechsel. Da investiert man statt in Fotos lieber in ein schönes Firmenlogo mit hohem Wiedererkennungswert, da hat man mehr davon. Oder man macht etwas ganz anders:

Die witzige Alternative: Cartoons

Auch die gibt es im Internet zuhauf, viele kostenlos, viele sehr witzig. Googlen sie mal nach „cartoon handwerker“, das ist wirklich sehr amüsant, was da alles angeboten wird!

Suchen sie mit ihrem Kunden zusammen den perfekten Cartoon für seine Firma aus, und der wird dann auch so etwas wie ein Markenzeichen für den Handwerkerbetrieb. Oft sieht man ja auch Cartoons auf Firmenfahrzeugen, auf Briefpapier (Rechnungen, Angebote) und auf dem Firmenschild am Ladengeschäft. Das erweckt Aufmerksamkeit, wirkt sympathisch und witzig. Das können sie auch auf die Internetseite ihres Kunden stellen!

klempner

Und was ist mit Diashows und Fotogalerien?

Darüber unterhalten wir uns ein anderes mal. Animationen im Web sind nämlich ein Thema für sich, das ich etwas ausführlicher behandeln möchte.

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