Barrierefreiheit – nur für grosse Unternehmen?

Hier in Bayern läuft derzeit eine grosse Initiative des Freistaats unter dem Titel „Bayern barrierefrei“, auf die ich durch Werbeplakate aufmerksam geworden bin. Beim Thema Barrierefreiheit denkt jeder zuerst einmal an behindertengerechte Toiletten oder sowas, aber es gehört schon noch mehr dazu.

Barrierefreiheit – nicht nur was für die „Grossen“

Ich habe mir dann Informationsmaterial vom Freistaat ergooglet und mich ein bißchen in das Spezialthema barrierefreies Internet eingelesen, und war am Anfang total erschlagen von der Flut an Auflagen, Empfehlungen und Prüfkriterien, die da über mich hereinbrach. Da blickt doch kein Schwein durch, dachte ich mir, das läßt du lieber bleiben, das ist ein zu großer Brocken für mich als private Webseitenbetreiberin und auch für meine Kunden, die kleinen und mittleren Unternehmen.

Kostenlose Erstberatung von der Architektenkammer Bayern

Dabei bin ich aber überzeugt davon, dass die Integration von Mitmenschen mit Handicap ein Thema ist, das uns alle angeht, nicht nur den Staat, die Behörden und die richtig großen Firmen.  Und ich wollte unbedingt wissen, ob und wie ich meine eigenen Webseiten evileu.de barrierefrei machen konnte. Deswegen habe ich nicht locker gelassen und bin schließlich auf ein Programm der Architektenkammer Bayern gestossen, das eine kostenlose Erstberatung anbot. Das war schon eher mein Ding! Hier kommt der Link zur Beratungsstelle Barrierefreiheit, da können sie sich selbst informieren, die Seite ist prima gestaltet, die Texte leicht verständlich formuliert.

Die Stiftung Pfennigparade hat die Experten

Jedenfalls habe ich da dann angerufen, und die freundliche und kompetente Beraterin bei der Architektenkammer hat mir einen Kontakt zu den Fachleuten für barrierefreies Internet bei der Münchner Stiftung Pfennigparade vermittelt. Da bin ich auf eine Goldader gestossen! Hier war ich an der Quelle gelandet, was das Fachwissen und die herausragende Kompetenz zum Thema barrierefreie Webseiten angeht. Mein Fachberater hat sich dann in mehreren Telefongesprächen und einem regen E-Mail-Austausch darum gekümmert, daß ich 1.) verstehen lernte, worauf es ankommt und 2.) die nötigen technischen Tipps zur Umsetzung vermittelt bekam.

Pilotprojekt Inselfisch-Kochbuch

Mir wurde zu meiner grossen Freude schnell klar, daß mit dieser kompetenten Beratung das Ziel „barrierefreie evileu.de“ erreichbar wurde, und ich habe mir als Pilotprojekt mal das Inselfisch-Kochbuch, meine bei den Besuchern beliebteste Seite, vorgenommen. Das war im Dezember 2016, und mit der tatkräftigen Unterstützung von meinem Experten bei der Pfenigparade konnte ich bereits im Februar 2017 ein komplett überarbeitetes, für Menschen mit Handicap gut zugängliches und weitestgehend barrierearmes Inselfisch-Kochbuch veröffentlichen.

Wieso barrierearm und nicht barrierefrei?

Weil vollständige Barrierefreiheit für eine einzelne Programmiererin wie mich gar nicht zu erreichen ist, dafür sind die Anforderungen viel zu hoch. Man müßte zum Beispiel alle Texte noch einmal in sogenannter „einfacher Sprache“ anbieten, man müßte für Gehörlose die Seiten auch in Gebärdensprache umsetzen, man müßte sowohl eine kontrastarme Version für motorisch/psychisch gehandicappte Besucher als auch eine kontrastreiche Version für Personen, die nur schlecht sehen anbieten, und vieles mehr.

Das ist wie gesagt für mich als Einzelkämpferin weder vom Arbeitsaufwand noch von den finanziellen Aufwänden her nicht zu schaffen, deswegen beschränkte ich mich in Zusammenarbeit mit meinem Experten von der Pfennigparade auf das Ziel „barrierearm und gut zugänglich“.

Was heißt das, barrierearm und gut zugänglich?

Das heißt, dass die Webseite den Empfehlungen des WCAG in hohem Maße, wenn auch nicht hundertprozentig entspricht. WCAG sind die Web Content Accessibility Guidelines, die internationalen Richtlinien für Barrierefreiheit von Webseiten in der aktuellen Version 2.0. Hier ein Link zur deutschen Übersetzung der WCAG 2.0 von der Aktion Mensch.

Was davon für unsere privaten Webseiten oder für kleinere und mittlere Betriebe relevant ist und wie man es umsetzt, darüber möchte ich in einem anderen Artikel ausführlicher sprechen.

An dieser Stelle möchte ich nur nochmal sagen: Barrierefreiheit geht uns alle an! Unsere Mitmenschen mit Handicap haben ein Recht darauf, an der modernen Informationswelt Internet genauso teilzuhaben wie alle anderen. Und glauben sie mir, eine barrierearme Webseite ist leichter und preiswerter zu realisieren, als sie vielleicht denken. Ich zeige ihnen, wie man es von Anfang an richtig macht, aber dazu gibt es auf jeden Fall einen neuen Beitrag.

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